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„Wir sind die Urheber“ – Oder auch: Maul halten und schlucken, liebes Internet!

Die Initiatoren und Unterzeichner der Hetzkampagne „Wir sind die Urheber – Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“ wundern sich jetzt, dass das von ihr verunglimpfte, ach so ominöse Internet das vor Unkenntnis triefende und unterschwellig hasserfüllte Pamphlet der Herren Landwehr und Soboczynski mit wenig Begeisterung zur Kenntnis nimmt.

Im von Soboczynski gelieferten Begleittext zur „Attacke“ lobt er nicht nur die „kompromisslose“ Zustimmung der Unterzeichner zum derzeitig bestehenden Urheberrecht, sondern auch deren Zustimmung zur Stärkung desselben „mit welchen Mitteln auch immer.“

Im Klartext: Die Unterzeichner der Kampagne „Wir sind die Urheber“ befürworten also nicht nur die derzeit gängige, massenhafte Abmahnung von Inhabern ganzer, durch zweifelhafte Methoden „ermittelter“ IP-Adressbereiche, nein, sie setzen sich damit auch für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung, die Sperrung von Internetzugängen auf Zuruf der Verwerter unter Umgehung des Rechtsstaats („Three Strikes“) und die Degradierung von Internetprovidern zu Hilfssherriffs der konzerneigenen Rechtsabteilung der Verwerter ein.

Dass diese Schmähschrift nicht die einzige ist, in der „das Internet“ pauschal als Ursache allen Übels verunglimpft, der gemeine Nutzer unter Generalverdacht als (zukünftiger) Dieb „geistigen Eigentums“ beschimpft und auf übelste Art und Weise beleidigt wird, sei mal dahingestellt.

Dass nun aber auch von dem solchermaßen angegangenen User erwartet wird, diese Beleidigung gefälligst zu schlucken und sein Maul zu halten, ist der Gipfel der Unverschämtheit.

Nach jahrelanger, konstanter Beleidigung der „digital Natives“ durch Verwerter, Politiker, Lobbyisten und nicht wenige „Urheber“, hat das in der Zeit veröffentlichte Pamphlet nunmehr das Fass zum Überlaufen gebracht. Und die Hetzer wundern sich, dass die solchermaßen beschimpften User sich die konstanten Beleidigungen nicht mehr gefallen lassen und – statt wie bisher pointiert zu argumentieren und ihre Sichtweise darzulegen – sich auf das unterirdische Niveau der wutschäumenden Horde von Steinzeiturheberrechtsfreunden, Massenabmahnungsbefürwortern und Überwachungsfanboys begeben, da dies offensichtlich die einzige Sprache ist, die diese Herrschaften verstehen.

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Guttenberg: Der Lügenbaron ersäuft im Selbstmitleid

Der Plagiator tritt also zurück. Nachdem er die Vorwürfe, er hätte seine Doktorarbeit abgeschrieben, vehement abstritt und erst nach und nach „Fehler“ einräumte (den eigentlichen Aufreger – nämlich die bewusste Täuschung im Rahmen der Arbeit und die nachträgliche wissentliche freche Lüge ins Gesicht der Wählerschaft) erwähnte er mit keinem Wort.

Und selbst während seiner Rücktrittsrede ist keine Spur der Reue zu sehen – im Gegenteil. Er triefte vor Selbstmitleid, schob den Medien und der Opposition die Schuld an der Affäre zu und missbrauchte einmal mehr die vor kurzem gefallenen Soldaten als Schutzschild. Und dieser Minister soll der populärste Politiker des Landes sein?

In den nächsten paar Wochen wird sich erweisen, inwieweit die „Beliebtheit“ dieses CSU-Sternchens einzig und allein der BILD-Werbekampagne für den Baron geschuldet ist, für die er sich ja bereits revanchiert hat.

Guttenberg: Mach‘ mal jemand ’ne Dose Mitleid auf…

Zu Hülf, die Lichtgestalt wird demontiert! Im konservativen Lager rennen sie jetzt herum wie aufgescheuchte Hühner, denn ihr politischer Heiland, ihr Erlöser, ihr Stimmviechgarant wackelt ganz erheblich.

Die Aura der ehrlichen Haut, die kein Blatt vor den Mund nimmt, die das – oft simple – Weltbild des gemeinen CSU-Anhängers eloquent wiederzukäuen in der Lage ist, den Wähler nicht belügt, stets die Bodenhaftung behält, sie schwindet!

Das kann, das darf natürlich nicht sein. Und wie immer in solchen Fällen ähnelt die solchermaßen gekränkte Anhängerschaft einem bockigen Kind, dem man das Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Wohlgemerkt: Die Guttenberg-Fanatiker nehmen nicht etwa ihrem Idol übel, dass es doch nicht ganz so ehrlich zu ihnen war, im Gegenteil. Blind vor Wut wird auf den Überbringer der Nachricht eingedroschen, der ach so arme Doktor in Schutz genommen.

Zu Vollpfosten machen sich die selbsternannten Prätorianer des Freiherren endgültig, wenn sie für ihren Schutzbefohlenen das einfordern, was sie „dem Internet“ und sonstigen Feindbildern nie zustehen würden: Nachsicht. Die hat er nicht verdient, im Gegenteil.

Wer im Einklang mit den Lobbyisten der Contentmafia und vorsintflutlicher Auffassung von Netzpolitik gegen das Internet hetzt, mit der vollen Absicht, die freie Meinungsäußerung im Web sturmreif zu schießen, der verdient ebensowenig „Gnade“ wie der schwulen- und latinofeindliche „Kein-Sex-vor-der-Ehe“-Republikaner-Rechtsaußen, der vor Kameras tränenreich seinen Abschied verkünden muss, weil er seine Geliebte(n) regelmäßig im ansonsten knochentrockenen Ehebett genagelt hat. Und die Wut des rechtschaffenden Studenten ist durchaus angebracht.

Guttenbergs einzige(!) Leistung bestand in der Vorspiegelung eines gewissen Anstands und einer Geradlinigkeit, die unsere derzeitigen Politiker allesamt vermissen lassen. Der Freiherr wollte dem Wahlviech weismachen, er stünde für kompromisslose Ehrlichkeit.

Er hat seine Konkurrenz wie seine Untergebenen in aller Öffentlichkeit mit enorm hohen Maßstäben gemessen (siehe auch: Abwälzung mangelhafter Informationskoordination auf den Generalinspekteur der Bundeswehr, Beurlaubung des Gorch-Fock-Kapitäns ohne vorherige Anhörung) und beschwert sich nun, wenn er selbst an ebendiesen scheitert? Dieses Verhalten würde eher zu einem quengelnden Kleinkind passen.

Und wer jetzt „Hexenjagd“ schreit, der ignoriert geflissentlich die Hofberichterstattung, die das CSU-Sternchen monatelang genießen durfte. Ihm ist nur zuteil geworden, was seit Ikarus unzähligen hoch fliegenden Persönlichkeiten widerfuhr: er ist wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet.