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„Wir sind die Urheber“ – Oder auch: Maul halten und schlucken, liebes Internet!

Die Initiatoren und Unterzeichner der Hetzkampagne „Wir sind die Urheber – Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“ wundern sich jetzt, dass das von ihr verunglimpfte, ach so ominöse Internet das vor Unkenntnis triefende und unterschwellig hasserfüllte Pamphlet der Herren Landwehr und Soboczynski mit wenig Begeisterung zur Kenntnis nimmt.

Im von Soboczynski gelieferten Begleittext zur „Attacke“ lobt er nicht nur die „kompromisslose“ Zustimmung der Unterzeichner zum derzeitig bestehenden Urheberrecht, sondern auch deren Zustimmung zur Stärkung desselben „mit welchen Mitteln auch immer.“

Im Klartext: Die Unterzeichner der Kampagne „Wir sind die Urheber“ befürworten also nicht nur die derzeit gängige, massenhafte Abmahnung von Inhabern ganzer, durch zweifelhafte Methoden „ermittelter“ IP-Adressbereiche, nein, sie setzen sich damit auch für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung, die Sperrung von Internetzugängen auf Zuruf der Verwerter unter Umgehung des Rechtsstaats („Three Strikes“) und die Degradierung von Internetprovidern zu Hilfssherriffs der konzerneigenen Rechtsabteilung der Verwerter ein.

Dass diese Schmähschrift nicht die einzige ist, in der „das Internet“ pauschal als Ursache allen Übels verunglimpft, der gemeine Nutzer unter Generalverdacht als (zukünftiger) Dieb „geistigen Eigentums“ beschimpft und auf übelste Art und Weise beleidigt wird, sei mal dahingestellt.

Dass nun aber auch von dem solchermaßen angegangenen User erwartet wird, diese Beleidigung gefälligst zu schlucken und sein Maul zu halten, ist der Gipfel der Unverschämtheit.

Nach jahrelanger, konstanter Beleidigung der „digital Natives“ durch Verwerter, Politiker, Lobbyisten und nicht wenige „Urheber“, hat das in der Zeit veröffentlichte Pamphlet nunmehr das Fass zum Überlaufen gebracht. Und die Hetzer wundern sich, dass die solchermaßen beschimpften User sich die konstanten Beleidigungen nicht mehr gefallen lassen und – statt wie bisher pointiert zu argumentieren und ihre Sichtweise darzulegen – sich auf das unterirdische Niveau der wutschäumenden Horde von Steinzeiturheberrechtsfreunden, Massenabmahnungsbefürwortern und Überwachungsfanboys begeben, da dies offensichtlich die einzige Sprache ist, die diese Herrschaften verstehen.

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Frohes Fest… und tankt schonmal auf für 2011

Die Geschenke sind ausgepackt, die Mägen vollgefressen, und wir steuern zufrieden auf die Knallorgie am 31. Dezember zu. Das vergangene Jahr hat für die Netzgemeinde einige gewonnene Schlachten gebracht – der Jugendmedienstaatsvertrag wurde durch die fraktionsübergreifende Ablehnung in Nordrhein-Westfalen gekippt, das Bundesverfassungsgericht hat die feuchten Träume der Vorratsdatenschnüfflerpartei ungespitzt in den Boden gerammt und trotz massiver Lobby- und Einschüchterungsarbeit hinter den Kulissen ist es dem angeblichen Hort der Meinungs- und Redefreiheit nicht gelungen, Wikileaks mundtot zu machen.

Ja, wir können uns durchaus kurz mal zurücklehnen und unsere Erfolge genießen. Allerdings besteht auch im neuen Jahr kein Grund, die Segel mangels vorhandener Ziele zu streichen. Das konservativ dominierte EU-Parlament ist vor der Kommission auf die Knie gegangen und hat quasi einen Blankoscheck für die undemokratische Praxis der Geheimverhandlungen zum ACTA-Paket ausgestellt. Netzsperren sind auch weiterhin ein Thema, das BKA, die Union samt Lobbygruppen und auch entsprechende Kreise in der EU fordern vehement die Zensur im Internet. Die Christ“demokraten“ hetzen sogar in der Weihnachtszeit ihr Klientel auf und fordern einen Freibrief für ihr Lieblingsüberwachungsprojekt. Und eines ist ganz sicher: im kommenden Wahljahr wird sich die Union mit ihrer alten Leier von der Law-and-Order-Partei, vom bösen Internet, vom heiligen Antiterrorkampf – Bürger, sei wachsam, der aufmerksamste Blockwart bekommt das Denunziantenverdienstkreuz am Eichenlaub mit Schwertern – mit allen Mitteln in das Gedächnis des Wahlviechs sprengen wollen.

Die Abwehrschlacht um unsere Bürgerrechte wird also auch 2011 fortgesetzt, und so, wie man einen Hund mit der Nase in den dampfenden Haufen stößt, den er da gerade auf dem Teppich hinterlassen hat, müssen wir unsere „Volksvertreter“ immer und immer wieder auf die stinkenden Tretminen stoßen, mit denen sie in schöner Regelmäßigkeit versuchen, unser Grundgesetz zu verschandeln.