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„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“

Dieser Artikel folgt auf einen betont sachlich gehaltenen Beitrag über die Diskussionsunkultur beim Thema israelisch-palästinensischer Konflikt.

Der @tarzun würde sagen, dass wir mal wieder reden müssen. Müssen wir auch. Was haben wir damals über das antisemitische Flugblatt der Duisburger Linken gerantet, wisst ihr noch? Das Flugblatt, auf dem ein mit einem Hakenkreuz verschlungener Davidstern prangte? Ganz beschissenes Propagandablättchen mit nachgelagertem Riesenbohei. Kann uns ja wohl nicht passieren, oder?

Falsch. Das folgende Beispiel schlägt in die gleiche Kerbe wie der eben beschriebene Fuckup. Auf den Mailinglisten der Piratenpartei finden sich gleich mehrere vorurteilsbehaftete Ergüsse einer Person, die, um es mal vorsichtig auszudrücken, leicht beratungsresistent erscheint. Und ja, es handelt sich hier um ein Mitglied der Piratenpartei, nicht um eine außenstehende Person, die mal eben in unsere Mailinglisten gekotzt hat. Beispiel gefällig? Wir fangen mal mit leichterer Kost an. Aus dem Thread „Twitter – NRW-Pirat soll sich für Israel-Tweet entschuldigen – Aktuelle Nachrichten“ in der synchronisierten NRW-Mailingliste:

„Tatsache ist doch, dass auch der Jude an sich höchst verschieden ist, dass es da so’ne und so’ne gibt.“ (Link zum Post)

„Der Jude an sich“ – eine, sagen wir mal vorsichtig, unglückliche Formulierung. „Der Jude an sich“ existiert nicht als hier suggerierte, homogene Gruppe. Geht aber noch besser. Kostprobe?

„Es ist durchaus grotesk, einen vollkommen richtigen Gedenktag für 6 Mio ermordete Juden abzuhalten, während paar tausend Juden meinen, sie müssten das Judentum dadurch schützen und verteidigen, dass sie die Palästinenser um die Ecke bringen oder ihr Land so platt machen, dass sie dort nicht mehr leben, heißt, bleiben können.“ (gleicher Post)

Grotesk ist hier wohl eher der Versuch, die Opfer des Holocaust mit einer Polemik auf die aktuelle Politik der israelischen Regierung herabzuwürdigen. Ein regelrechter Hammer ist dann die Gleichsetzung von Gaza mit einem KZ. Glaubt ihr nicht? Ist aber vorgekommen.

„Oder, wenn man – völlig zu Recht – fordert, es dürfe nie wieder Konzentrationslager geben und damit zur Solidarität mit denjenigen aufruft, die gerade das Konzentrationslager Gaza bombardieren.“ (Link zum Post)

Wer hier noch nicht im Dreieck fazialpalmiert, der sei im Folgenden auf die Beratungsresistenz der Urheberin dieser abstrusen Theorie hingewiesen, die nach heftiger Kritik an ihrer Äußerung nochmals nachlegt.

„Der Gaza-Streifen ist ein Konzentrationslager.
Er ist eingezäunt, abgeriegelt, eingemauert, Zugang gibt es nur mit israelischer Genehmigung und letztlich beansprucht Israel darüber zu bestimmen, was dort geschehen darf und was nicht.

Was, nebenbei bemerkt, auch für die noch nicht ganz so eingemauerte Westbank gilt“ (Link zum Post )

Sofern man sich nach dieser Kanonade an geballtem Geschichtsrelativismus weiter durch die verquere kleine Welt besagter Dame wühlen will, kann sich auf den gesamten 17 Seiten des Threads von ihrer festgefahrenen Ideologie und Uneinsichtigkeit überzeugen.

Nun ist natürlich die Mailingliste der NRW-Piraten nicht die einzige, auf der sich Madame ausgebreitet hat. Da gibt es noch die – nicht ins Forum synchronisierte – Liste der AG Außenpolitik.

„Damit ist offiziell, was ich schon seit einiger Zeit erkläre: Israel beabsichtigt, im Zuge der alten Groß-Israel-Ideologie ganz Palästina zu annektieren (möglicherweise ist der gegenwärtige Konflikt in Gaza ein Schritt dazu, denn Israel droht mit Besatzung).“ (Link zu gesicherter Mail)

Auch abseits von Israel zieht die Dame recht abstruse Vergleiche. Hier nur ein Beispiel unter vielen:

„Ich spreche vom Nationalsozialismus. Das ist eine nach dem alten Vorbild der Kirche gebaute Staatsidee, …“ (Link zum Post)

Man könnte meinen, sie stünde mit ihrer Sicht der Dinge relativ alleine da, vor allem, da bereits Anzeige gegen sie erstattet wurde. Weit gefehlt, sie scheint bereits ihre kleine Schar an Fanboys versammelt zu haben.
Nachdem sich also mehrere Piraten zu Recht über Madames verquere Weltsicht erregten, kam von ihrer Fanbase der Vorwurf des „Mobbings“, des „unkontrollierten Mobs“ an die gesamte Partei, die Piraten wurden mit wilden Tieren verglichen, und generell sollten wir gefälligst froh sein, jemanden wie Otla Pinnow mit ihrer Fähigkeit zur „sachlichen Analyse“ unter uns zu haben. Das alte Muster also, in das gewisse Leute verfallen, sobald ihre abstruse Gedankenwelt etwas näher beleuchtet wird: sie verfallen in die Opferrolle.

Wenn ihr mich nun entschuldigt, ich geh kotzen. Im Strahl.

Update:

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