Israel: Von Grabenkämpfen und dem Wert wahrer Freundschaft

Dieser eher allgemein gehaltene Artikel sollte ursprünglich für sich allein stehen, nachdem ich jedoch dieses Wochenende über ein paar besondere „Perlen“ stolpern durfte, ist es wohl mal wieder Zeit für einen „Lernen durch Schmerz“-Rant. Der ist in einem separaten Beitrag zu finden.

Vor, während und nach dem erfolgreichen Antrag Palästinas auf Anerkennung als Beobachterstaat ist wieder einmal die Diskussion um die Palästinapolitik der israelischen Regierung aufgeflammt und sofort in die altbekannten Muster zurückgefallen.

Die lautesten Teilnehmer sind auch hier diejenigen, die sich, verschanzt in ihren ideologischen Burgen, über das Niemandsland hinweg ankeifen und aneinander vorbeibrüllen. Dass sie sich dabei immer weiter hochschaukeln und ihre Feindbilder wechselseitig bestätigen, scheint ein auf beiden Seiten willkommener Nebeneffekt zu sein.

Dass man in solch aufgeheizter Atmosphäre zu keinerlei konstruktivem Ergebnis kommt, müsste eigentlich klar sein. Wenn auf der einen Seite israelische Politiker bzw. ganz Israel als „Nazis“ verunglimpft werden, der jeweilige Regierungschef auf dumpfen „Karrikaturen“ gerne mal mit Hakenkreuzarmbinde dargestellt wird und über einem Aufruf zum Boykott jüdischer Waren (wobei allein schon ein solcher Aufruf unangenehme Erinnerungen weckt) ein mit einem Hakenkreuz verbundener Davidstern prangt, während auf der anderen Seite sämtliche Palästinenser mit der Hamas, der Hisbollah und am besten noch dem Iran in einen Topf geschmissen und als mordgierige Wilde dargestellt sowie selbst minimalst kritische Äußerungen an der Politik der israelischen Regierung als „Antisemitismus“ verunglimpft werden, ist ein Dialog unmöglich und von beiden Seiten wohl auch nicht gewünscht.

Netanjahu handelt weder im Namen aller Israelis noch im Namen aller Juden, wenn er den Gazastreifen bombardieren lässt und dabei „Kollateralschäden“ billigend in Kauf nimmt (ja, auch „Präzisions“bomben und Lenkflugkörper sind Waffen mit Flächenwirkung) oder den Bau weiterer Siedlungen im Westjordanland vorantreibt, auch wenn dieser Alleinvertretungsanspruch gerne mal vorgeschoben wird.

Genausowenig jedoch handeln Hamas und Hisbollah im Namen aller Palästinenser, wenn sie nach dem Motto „scheißegal, wo das Ding hochgeht, Hauptsache, ein Jude stirbt“ regelmäßig ihre Raketen gegen israelische Siedlungen und Städte schicken oder Selbstmordattentäter Busse und Cafés in die Luft jagen lassen.

Den Verfechtern beider Seiten sollte darüber hinaus bewußt sein, dass neben Anschlägen und Vergeltungsmaßnahmen, neben Raketenangriffen und Bombardierungen noch eine eine weitere Schlacht tobt. Diese wird nicht mit Waffen ausgetragen, sondern mit Bildern, Videos und Worten. Die reine Wahrheit sucht man dort vergebens. Es werden Bilder gestellt, Videos gefälscht (wer erinnert sich noch an den angeblich schwer verletzten Mann, der Minuten später wieder aufstand und durchs Bild einer anderen Kamera lief?), Berichte abgeschwächt, übertrieben und verschwiegen (das Video eines Dronenangriffes, bei denen man extra gewartet hat, bis der Fahrradfahrer sich vom Zielort entfernt hatte, bevor man aufs Knöpfchen drückt, ist gut für die PR; andere Bilder stehen uns nicht zur Verfügung).

Beide Parteien betreiben Propagandaabteilungen, die die sozialen Netzwerke bedienen und die dortigen User auf ihre Seite ziehen wollen. Der Wahrheitsgehalt der von diesen „Quellen“ bezogenen Informationen ist bestenfalls dürftig und sollte ohne Prüfung niemals für bare Münze genommen werden.

Nach dem Erfolg der Palästinenser sollten sich nun zumindest die Herrn Abbas zugehörigen Kräfte bei aller Euphorie darauf konzentrieren, die Unterstützung, die sie bei der Abstimmung zum Beobachterstatus offensichtlich hatten, nicht wieder zu verspielen.

Die israelische Regierung sollte sich trotz aller Verstimmung über die Enthaltung Deutschlands bei besagter Abstimmung fragen, wie sie den Begriff „Freundschaft“ definiert sehen möchte.
Wahre Freundschaft bedeutet nicht, jeder Entscheidung, jeder Aktion des Partners freudig zu applaudieren, egal was man davon hält, im Gegenteil.
Freundschaft bedeutet auch die Sorge um den Partner, ihn auf mögliche Fehler hinzuweisen, ihn davor zu warnen, wenn er – möglicherweise – gerade auf einen Abgrund zusteuert.

8 Gedanken zu „Israel: Von Grabenkämpfen und dem Wert wahrer Freundschaft

  1. flow

    Ein erfrischend differenzierter Post, danke dafür.
    Allerdings eine Anmerkung:
    Netanjahu handelt sehr wohl im Namen fast aller israelischen Juden, denn das neuerliche Bombardement des Gazastreifens hatte eine Zustimmung von über 90% in der israelisch- jüdischen Bevölkerung, und immerhin noch 84%, wenn auch israelische Araber proportional einbezogen werden. Immerhin sind nur 30% der israelischen Juden für eine Bodenoffensive zu haben (http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/poll-majority-of-americans-say-israel-s-gaza-offensive-is-justified-1.479087).
    Ähnliche Umfragen für Gaza/Westjordanland kenne ich leider nicht.

    Antwort
  2. Pingback: “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!” | Gormulus

  3. jeuys

    Lustig ist, dass gormie im artikel durchaus richtig den propagandakrieg der worte und bilder analysiert. Ich gehe davon aus gormie, dass du das nicht gutheisst. Nun wenn gormie in seinen eigenen krieg der worte zieht, sind diese einsichten anscheinend vergessen.
    Ein hoch auf die heuchler

    Antwort
    1. Mathias Autor

      Diesen Kommentar lassen wir ebenfalls mal exemplarisch stehen. Auch hier kann unser Troll nicht zwischen berechtigter Kritik unterscheiden, die öfter mal abgebügelt wird, und der Herabwürdigung einer bzw. grenzenlosen Verachtung für eine bestimmte Gruppe. Wieder einmal verfällt er in die Opferrolle und beliebt sich über den ach so bösen Blogger zu beschweren, der sich seine Meinung über solches Verhalten von der Leber geschrieben hat.

      Antwort
      1. jeuys

        Ich glaube du verschmischt die Dinge. Ich spreche nicht ueber konkret politisches sondern ich prangere die Art und Weise an, mit der du versuchst Stimmung zu erzeugen.

      2. Mathias Autor

        Und auch hier nochmal: Ich muss keine Stimmung erzeugen, dafür haben die entsprechenden Personen mit ihren Äußerungen schon gesorgt.

    1. Lusru

      @Michael Gugat (@frankenfeld1):
      „Für alle, die aus irgendeinem Grunde Schwierigkeiten haben, zu erkennen, wann und wie Kritik berechtigt ist und wann es antisemitisch wird, ist diese Info der Amadeu-Antonio-Stiftung sicherlich sehr hilfreich: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/aas-israelfeindschaft.pdf Sehr schön wird auch die historische Entwicklung des “linken deutschen Antisemitismus” aufgezeigt.“ –
      Dem ist leider nicht so, es wird alles nur halbherzig und „irgendwie paßgerecht“ benannt – oder weg gelassen.
      Das Wichtigste, das weggelassen wird, ist eine Definition von „Antisemitismus“, obwohl man doch bei so einer renomierten Stiftung, die auch meine (allerdings etwas beschränkte) Symphatie genießt und Antisemitismus-Bekämpfung im Programm stehen hat und in allen Papieren viele hunderte Male den Begriff Antisemitismus benutzt, annehmen müßte, daß sie nicht die Begriffsbestimmungen und damit die Gedankengebäude des deutschnationalen judenfeindlichen Bürgertums gemäß den Erstdefinitionen in ihren „großen“ Lexika von 1905 bis 1911, und direkt fortgesetzt durch die Nazis, als „Plattform“ ihres Kampfes und damit zum Fortleben dieses Gedankengutes benutzt.
      Denke mal, das erfolgt aus größter Unwissenheit, aus zu großer unwissenschaftlichem und zu boulevardeskem inflationär bestimmten Umgang mit derart schwerwiegenden Begriffen und nicht in der Absicht, die schmutzigen Vorstellungen des deutschen Journalisten und Judenhassers Wilhelm Marr, als Erfinder des Wortes Antisemitismus von 1879, am Leben zu erhalten.
      Bereits Marr überging zielstrebig und bewußt, daß es weder eine „Rasse der Semiten“ noch eine „Rasse der Juden“gibt, noch „Semit“ überhaupt eine Rassebezeichnung IST sondern lediglich die Angehörigen der semitischen Sprachfamilien bezeichnet, völlig unabhängig davon, ob der Semit ein arabischer oder ein jüdischer Palästinenser, ein Kopte oder ein Jude oder irgendein anderer Angehöriger der über 30 semitischen Sprachen ist.
      Ziel Marrs und all seiner Nachfolger war vielmehr, IHREN eigenen Judenhass nicht (nur) religiös (etwa laut Martin Luther u.a.) sondern generell gegen jüdisches Leben zu manifestieren. Dazu „erfand“ Marr nicht nur den Begriff sondern auch das üble Gedankengebäude, daß Juden eine Rasse seien (müssen), damit deren Rasseminderwertigkeit deklarierbar wird, um sich dadurch an den religiösen Verständnissen und der Grundlage des damaligen christlichen Verständnisses, dem alten (jüdischen) Testament, vorbei „schummeln“ zu können, wenn es gegen die dadurch „minderwertig deklarierbare Rasse“ der Juden geht, vor allem gegen deren Eigentum…
      Das war willfährige Grundlage für den Hitlerfaschismus, der als Nationalistische (und nicht als „nationale“ Gesinnung) den „Antifaschismus“ zum nationalistischen Dogma in der deutschen Nation durchsetzte und unsäglich „ausbaute und erweiterte“ mit den bekannten traurigen Folgen der zieorientierten Menschenvernichtung um Krieg für „Herrenmenschen“ zu finanzieren.
      Was war geschehen? Alle (!) Semiten wurden übergangen und (mehr oder weniger) ausgeklammert, um allein Juden als „die“ semitische Rasse dazu deklarieren zu können. Der Begriff Antisemitismus und sein Inhalt ist also weder als sprachliche noch als fachliche noch als philosophische noch als politische oder biologische oder soziologische Kategorie zu rechtfertigen und schlichtweg bereits sachlich falsch, verlogen und diskriminierend in viele Richtungen, allein bereits durch seine Benutzung, weil „hohes Nazi-Gedankengebilde“.
      Die (weiter)Benutzung dieses Begriffes der Nationalisten, Faschisten und Rassenhasser in der Gegenwart erhält das damit verbundene falsche Gedankengebäude ständig auf das Neue, ohne damit auch nur im Geringsten dagegen mobilisieren zu können und ist daher in seiner penetrant vernutzten inzwischen völlig diffusen täglichen Herumschubserei (mit extrem falscher Symbolik, weil weiterhin, wie schon beim Erfinder Marr, erneut nur auf Juden gerichtet, auf welche eigentlich, wer ist das alles?) höchst problematisch, ohne Klärung zu eröffnen.
      Die Nachfolger Marrs hatten im Sinn, mit dieser Ideologie festzuschreiben, daß es hier weder um Semiten, noch jüdische Religion, noch um zyonistische Gesinnung, noch um Israelismus sondern ausschließlich um konstruierte „Rassenschmähung“ gegen die von ihnen (!) kreirte „Rasse Juden“ geht – um sich nicht widersprüchlich zwischen den aus unterschiedlichen Quellen erwachsenden anti-religiösen, anti-jüdischen, ant-zionistischen, anti-israelischen oder eben „anti-semitischen“ (als allgemein fremdenfeindlich verstehbar) Einstellungen zu verirren und das Volk zu verwirren.
      Kurz:
      Wer sich dieses Begriffes (wie in den Lexika Meyer usw. bereits ab 1905 bis heute und zu Wikipedia überkommen) noch heute bedient, benutzt diese Gedankengebäude der Nazis in DEREM GEIST ungeprüft weiter und muß sich fragen lassen, warum, ob auch er damit die Unterschiede zwischen „rassistischem“ Judenhass, Anti-Zionismus, Anti-Israelismus und („echtem“ weil gegen Semiten) „Antisemitismus“ (begrifflich und ahistorisch betrachtet) AUCH WEITER VERWISCHEN MÖCHTE und WARUM?

      Diese Unterscheidungen sind wichtig, um gegen sie wirksam vorgehen zu können, was nicht richtig bekannt / benannt ist, kann auch nicht an der Wurzel gepackt werden, es sei denn, das soll es so auch nicht, warum auch immer…
      Zum anderen räsonieren die Autoren dieser Stiftungs-pdf munter über „israelbezogenen Antisemitismus“, als ob es auch „andere“ gäbe (?Was ist das aufeinmal?), über „antisemitische Differenzkonstruktionen“ und „des Antisemitismus unverdächtige Kritik an Israel ist möglich, aber selten“ (wieso, wer sagt das?- abgesehen davon, daß es das damit Gemeinte begrifflich nicht gibt), ohne sich auch nur annähernd vom Gedankengebilde der RASSE JUDE der Nazis zu lösen, ohne das aufzutrieseln.

      Statt dessen kein Wort von einer anderen extremistischen selektiererischen Erscheinung mit „faschistischem Gefahrgut“ für unsere Demokratie und – die Menschen in Palästina incl. Israel, die keinesfalls (trotz bekannter Versuche) vollständig ethnisch getrennt (hier nur Juden und da nur „Menschenfeinde“ -kpeterl bei jeder Gelegenheit) sind, keine Rede von den Anti-Deutschen Extremisten (ehemals „linke“ Kommunisten“).
      Und das, obwohl in dieser pdf sogar die historische Ulrike Meinhof (RAF) bemüht wird, die linken Studenten vor Jahrzehnten – alles recht eigenartig, letztlich mehr „heutiges Israel“ als „links“ oder „Anti-antisemitisch“ oder „antifaschistisch“ – Wieso nur?
      Derart getendenzte Texte hat diese Stiftung mit ihren guten Absichten nicht nötig! (oder soll hier eine Außen- oder Kontaktstelle der Anti-deutschen ISRAEL-(regierungs)LOBBY zu vermuten sein?)
      Wer weder seine (!) Vorstellungen von SEMIT noch ANTISEMIT noch JUDE sondern die der Rassenhasser nach Meyer aus 1905 oder der Rassenschänder von 1933 als Grundlage nutzt und Moshe Zuckermann und dessen Sichten genau dazu nicht einmal erwähnt, um Antisemitismus zu erklären, sollte hier nicht empfohlen werden. Nicht bei den Piraten.
      Da hilft es auch nicht, wenn einige schlaumeirische Advokatisten in Wikipedia versuchen, den „Antisemitismus“ in „Epochen“ zu erklären mit verschiedenartigen „Bedeutungen“ (es gibt nur eine, die der Rassisten, Faschisten und Nationalisten) und als „heutige Sicht“ (um verschämt von der dazugehörigen Quelle Meyers 1905 weg zu kommen) behaupten, heute beträfe der „Antisemitismus“ nur Juden. Er sei also heute allgemeine Judenfeindlichkeit und nur deshalb Israelkritisch – oder -feindlich, gewissermaßen aus dem Rassenhass heraus – wo doch an anderen Stellen zu lesen ist, daß die „jüdische Rasse“ eine Erfindung des deutschen Judenhassers Marr ist, der dazu das nur darauf basierende Hassgebäude als ANTISEMITISMUS konstruierte – obwohl es bis heute noch immer keine jüdische Rasse und erst recht keine Semitische Rasse gibt.
      Wie sollte also dann „Antisemitismus“ aufeinmal als Rassenhass begreifbar werden?
      Ich für meinen Teil lehne die Nutzung der rassistischen und faschistischen Terminologie zur Klärung und Bekämpfung von Problemen des Fremdenhasses, des nationalistischen (nicht: nationalen!) Gedankengutes von sogenannten selbsternanten „auserwählten Menschen“ oder „Rassen“ aller Art, strikt ab und bemühe mich, an den Kern der Entstehung solcher unsäglichen Denkweisen zu gelangen.
      Das gelingt mit falschen, gefährlich pauschalisierten und abgewetzten weil inflationär benutzten zu Worthülsen verkommenen Vokabular der Rassenhasser und „Herrenmenschen“ des vorigen Jahrhunderts nicht, niemals.

      Insofern lieber @frankenfeld, funktioniert dieses „Hauen und Stechen zwischen Menschen, die eigentlich für die selbe Sache einstehen nur, weil eben diese „genaue selbe Sache“ wohl doch noch nicht korrekt benannt ist, weil sie reichlich pubertär wie der fruchtlose, unnütze weil unsachlich und unfachlich GWUP-geführte Streit gegen Homöopathie“ betrieben wird: Nur als Ablenkungsmanöver, als gewissermaßen „vielfache Blindstudie“, die nichts mit Blindsein aber alles mit blind in der Sache zu tun hat.
      Wer den GRABENKAMPF nicht will, der führt ihn einfach nicht, zumindest nicht anti-deutsch im Graben sondern piratesk.

      Antwort

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