Archiv für den Monat September 2011

Jolly Roger über Berlin!

Glückwunsch, Ladies! Es ist vollbracht, unsere Berliner Kaperfahrer haben mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Wähler die Enterhaken ins Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen geschlagen und sich an Deck geschwungen, wo sie nunmehr Klaus „Red Jack“ Wowereit und seinen Spießgesellen das Fürchten lehren werden.

Ein wochenlanger, entbehrungsreicher Wahlkampf liegt hinter den Hauptstadtpiraten und ihren Helfern aus dem gesamten Bundesgebiet. Tausende Plakate wurden angebracht, unzählige Flyer verteilt und viele Bürger über unsere Ziele aufgeklärt. Schlaf war Mangelware.

Und die Mühen wurden mehr als belohnt. Voraussichtlich 8,9% holten die Berliner Piraten, insgesamt 15 Sitze im Abgeordnetenhaus wurden piratisiert, ebenso zahlreiche Sitze in den einzelnen BVVs.

So bleibt mir nur, den Hauptstadtpiraten und den angereisten Helfern aus der Ferne für ihre Mühe und Hingabe, den Wählern aber für ihr Vertrauen in eine von vielen belächelte „Splitterpartei“ zu danken. Ohne euren Wind in unseren Segeln wäre dieser Erfolg unmöglich gewesen.

Jetzt gilt es: ab in die Wanten und durch die Untiefen der innerparlamentarischen Opposition lavieren. Vorher sei jedoch noch ein kleines Tänzchen erlaubt… 😉

* Artikel reichlich übernächtigt und mit nem übelsten Brummschädel zusammengeklöppelt… 😉

Dem soll die Hand verdorren…

… der diese Spende annimmt. So oder ähnlich könnte das Paradigma lauten, das von einigen Schreihälsen vor sich hergetragen wird, wenn es um die jüngste, größere Zuwendung einer Softwarefirma an die Piraten geht. Da wird vom drohenden Piratenuntergang schwadroniert, weil eine Beeinflussung des Vorstandes beziehungsweise der gesamten Partei nicht nur für möglich gehalten, sondern als unausweichlich bezeichnet wird.

Die genannte Firma hat also angeblich Softwarepatente eingereicht und steht damit unserem Anspruch auf Abschaffung von Softwarepatenten entgegen. So what? Wenn die der Meinung sind, sie müssten einer Organisation Geld in den Rachen werfen, die munter an einem der Firmengeschäftsfelder sägt, dann sind sie selbst schuld.

Anders ausgedrückt: würde e.on eine Großspende an Greenpeace richten, könnte Greenpeace sich natürlich selbst zerfleischen. Oder sie könnten mit dem Geld die nächste publikumswirksame Plakatabseilaktion am Meiler Isar II finanzieren und im Anschluß ordentlich einen heben gehen.

Daß sich die Partei zu ihrer Spendenpraxis extra von Transparency International hat beraten lassen und deren Vorschläge übernahm, ist unseren Dogmatikern egal. Auch vergessen diese Leute in ihrer Raserei ein wichtiges Detail: jedwedes Lavieren, jegliche Abweichung von unseren Zielen und Beschlüssen durch den Vorstand wird wie in keiner anderen politischen Vereinigung in diesem Land sofort von der Basis registriert und aufs Härteste abgestraft.

Unsere Nulltoleranzler unterstellen also nicht nur dem Vorstand die sofortige Korrumpierung bei Spendenannahme, sondern auch der Basis völlige Unfähigkeit bei der Kontrolle unserer Parteihäuptlinge und springen somit brav über das ihnen von SPDlern und Linken zwecks Ablenkung hingehaltene Stöckchen. Fein gemacht.

Desweiteren zieht die hämische Bemerkung der Hauptstadtpiraten, der Bund hätte sich wohl besser die Berliner Spendenobergrenze auferlegt hier nicht. Denn eines ist sicher: selbst wenn die Spende nur 10.000 Euro betragen hätte, wäre der Vorstand dem Shitstorm nicht entgangen, denn es geht den Rageguys nicht um die Höhe, sondern um die Tatsache, dass überhaupt Spenden angenommen wurden.

Was mir im übrigen bei allen Antispendentwitterflamern gefehlt hat, ist ein schlüssiges Konzept zur Spendensammlung im großen Stil im Vorfeld von Großprojekten. Wenn wir ab sofort also nur noch Spenden von realen Personen – und auch da nur beschränkt (!!!!!!1einself1!!) – annehmen dürfen, wie wollen wir dann zukünftige Volksentscheide, Volksbegehren, Petitionen, bzw. die entsprechenden Werbemaßnahmen finanzieren? Ist nämlich alles andere als billig.

Wenn ihr also mit eurem Bashing fertig seid, liebste Dogmatiker, erwarte ich – statt konfusem Herumgeeiere – Antworten auf oben genannte Frage. Denn sonst – bei allem Verständnis – kann ich euch nicht mehr ernst nehmen.