Spreng und die „Anonymitätsseuche“ – U r doing it wrong, Michael.

YOU'RE DOING IT WRONG!
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Michael Spreng hat sich also Kraft seiner Wassersuppe über Anonymität im Netz aufgeregt und diese gewohnt markig als „Seuche“ verunglimpft. Er zieht über die anonymen Tippgeber und Rechercheure der Plagiatswikis her, die sowohl unseren ehemaligen Verteidigungsminister als auch Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß sowie das FDP-Sternchen Silvana Koch-Mehrin und deren Parteikollegen Georgios Chatzimarkakis ihre mutmaßlich ergaunerten Doktortitel kosten werden.

Mit seiner Polemik bedient der bloggende „Sprengsatz“ einmal mehr das Stereotyp vom ach so bösen User im dunklen Kämmerlein, dessen einziger Lebensinhalt darin besteht, unbescholtenen Menschen zu schaden. In diesem Falle mal nicht durch irgendwelchen Datenklau oder Mobbing, sondern durch ganz schlimmes anonymes Denunzieren honoriger Bürger.

Herr Spreng fordert denn auch den „Kampf mit offenem Visier“ und auf Augenhöhe und stellt sich sofort als leuchtendes Vorbild hin:

„So verhielt ich mich auch als Journalist. Schon mit 20 entlarvte ich lieber einen Immobilienbetrüger, als mich durch 15.000 Mark davon abhalten zu lassen. Und während meiner Springer-Zeit wurde zweimal wegen Geheimnisverrat gegen mich ermittelt.“

Sehr mutig, wirklich. Wie aber schon ein Kommentarschreiber anmerkt:

„bei allem Respekt, aber mit der Springer-Rechtsabteilung im Rücken lass ich mich auch gerne wegen Geheimnisverrat verklagen.“

Unser mutiger Journalist hatte – bei allem Ungemach, die ihm diese Ermittlungen sicher bereiteten – immer eine Schar Rechtsanwälte hinter sich, die sich der kleine Mann, der einen Mißstand aufdecken möchte, im Zweifel nicht leisten kann.

Anonym != Pseudonym

Ein weiterer Fehler des sprengschen Rants wider die gesichtslosen Petzen ist die Verwechslung von Anonymität und Pseudonymität. Wer sich „anonymes“ Posten von Inhalten im Netz ansehen will, der kann eine kleine Tour durch die verschiedenen Imageboards machen. Dort kann man den Urheber eines Beitrags und seine Kommentatoren nicht auseinanderhalten, denn beide sind als „Anonymous“ – oder von mir aus auch als „Bernd“ unterwegs. Hier haben wir Anonymität in Reinkultur, das Aufgehen in einer gesichtslosen Masse.

Die ursprüngliche Intention des Beitrags war denn wohl auch die wüste Schmähung von pseudonymen Veröffentlichungen im Netz, speziell der Arbeit der Plagiatsjäger, die – laut Spreng – wohl kein Recht auf Schutz der eigenen Person vor Nachstellung durch weit überlegene Interessengruppen (hier: die Parteiapparate der beim Plagiieren erwischten Ex-Doktoren) haben.

Pseudonyme im Netz sind keine Wegwerfidentitäten, sondern Ersatzpersönlichkeiten, die über einen längeren Zeitraum aus ganz unterschiedlichen Gründen aufgebaut und gepflegt werden – ähnlich wie das Pseudonym eines Buchautors.

Journalisten waren mal Gatekeeper

Deal with it. Informationslieferanten scheinen laut Herrn Spreng nur das Recht auf Anonymität zu haben, wenn sie ihre Schmankerl brav in seinem toten Briefkasten abladen, sich ansonsten aus der Chose raushalten und darauf hoffen, dass sich ihro Gnaden dazu bequemt, aus dem Material eine Geschichte zu stricken.

Diese Art des Informationsflusses war spätestens dann passé, als neben der „Totholzpresse“ die ersten leicht zu bedienenden Tools zur Veröffentlichung von Nachrichten zur Verfügung standen. Ein Zurück wird es nicht geben, auch wenn Sprengs ehemaliger Arbeitgeber die Zeit am liebsten zurückdrehen würde. Der Zug ist abgefahren.

Ein Gedanke zu „Spreng und die „Anonymitätsseuche“ – U r doing it wrong, Michael.

  1. heinzi

    Spreng meint nicht offenes Visier, obwohl das schon schlimm genug ist. Er will auf was anderes raus.
    -Offener Hosenschlitz auf Augenhöhe

    Das ist ja ein ganz Schlimmer.

    Antwort

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