Archiv für den Monat Mai 2011

Spreng und die „Anonymitätsseuche“ – U r doing it wrong, Michael.

YOU'RE DOING IT WRONG!
see more Lolcats and funny pictures, and check out our Socially Awkward Penguin lolz!

Michael Spreng hat sich also Kraft seiner Wassersuppe über Anonymität im Netz aufgeregt und diese gewohnt markig als „Seuche“ verunglimpft. Er zieht über die anonymen Tippgeber und Rechercheure der Plagiatswikis her, die sowohl unseren ehemaligen Verteidigungsminister als auch Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß sowie das FDP-Sternchen Silvana Koch-Mehrin und deren Parteikollegen Georgios Chatzimarkakis ihre mutmaßlich ergaunerten Doktortitel kosten werden.

Mit seiner Polemik bedient der bloggende „Sprengsatz“ einmal mehr das Stereotyp vom ach so bösen User im dunklen Kämmerlein, dessen einziger Lebensinhalt darin besteht, unbescholtenen Menschen zu schaden. In diesem Falle mal nicht durch irgendwelchen Datenklau oder Mobbing, sondern durch ganz schlimmes anonymes Denunzieren honoriger Bürger.

Herr Spreng fordert denn auch den „Kampf mit offenem Visier“ und auf Augenhöhe und stellt sich sofort als leuchtendes Vorbild hin:

„So verhielt ich mich auch als Journalist. Schon mit 20 entlarvte ich lieber einen Immobilienbetrüger, als mich durch 15.000 Mark davon abhalten zu lassen. Und während meiner Springer-Zeit wurde zweimal wegen Geheimnisverrat gegen mich ermittelt.“

Sehr mutig, wirklich. Wie aber schon ein Kommentarschreiber anmerkt:

„bei allem Respekt, aber mit der Springer-Rechtsabteilung im Rücken lass ich mich auch gerne wegen Geheimnisverrat verklagen.“

Unser mutiger Journalist hatte – bei allem Ungemach, die ihm diese Ermittlungen sicher bereiteten – immer eine Schar Rechtsanwälte hinter sich, die sich der kleine Mann, der einen Mißstand aufdecken möchte, im Zweifel nicht leisten kann.

Anonym != Pseudonym

Ein weiterer Fehler des sprengschen Rants wider die gesichtslosen Petzen ist die Verwechslung von Anonymität und Pseudonymität. Wer sich „anonymes“ Posten von Inhalten im Netz ansehen will, der kann eine kleine Tour durch die verschiedenen Imageboards machen. Dort kann man den Urheber eines Beitrags und seine Kommentatoren nicht auseinanderhalten, denn beide sind als „Anonymous“ – oder von mir aus auch als „Bernd“ unterwegs. Hier haben wir Anonymität in Reinkultur, das Aufgehen in einer gesichtslosen Masse.

Die ursprüngliche Intention des Beitrags war denn wohl auch die wüste Schmähung von pseudonymen Veröffentlichungen im Netz, speziell der Arbeit der Plagiatsjäger, die – laut Spreng – wohl kein Recht auf Schutz der eigenen Person vor Nachstellung durch weit überlegene Interessengruppen (hier: die Parteiapparate der beim Plagiieren erwischten Ex-Doktoren) haben.

Pseudonyme im Netz sind keine Wegwerfidentitäten, sondern Ersatzpersönlichkeiten, die über einen längeren Zeitraum aus ganz unterschiedlichen Gründen aufgebaut und gepflegt werden – ähnlich wie das Pseudonym eines Buchautors.

Journalisten waren mal Gatekeeper

Deal with it. Informationslieferanten scheinen laut Herrn Spreng nur das Recht auf Anonymität zu haben, wenn sie ihre Schmankerl brav in seinem toten Briefkasten abladen, sich ansonsten aus der Chose raushalten und darauf hoffen, dass sich ihro Gnaden dazu bequemt, aus dem Material eine Geschichte zu stricken.

Diese Art des Informationsflusses war spätestens dann passé, als neben der „Totholzpresse“ die ersten leicht zu bedienenden Tools zur Veröffentlichung von Nachrichten zur Verfügung standen. Ein Zurück wird es nicht geben, auch wenn Sprengs ehemaliger Arbeitgeber die Zeit am liebsten zurückdrehen würde. Der Zug ist abgefahren.

Advertisements

Wir werden alle sterben – echt jezz!

Manch ein Pirat sieht ja schon den Untergang des Abendlands heraufziehen, nur weil wir uns in unserer Partei ein paar widerborstige Pflänzchen herangezüchtet haben. Da wird auf Mailinglisten die Parteiausschlusskeule bemüht und in Private Messages wüst vom Leder gezogen, weil sich die Spackeria als ganz böse Medienhuren angeblich einen Teil der ausschließlich für die Piraten reservierten Aufmerksamkeitsspanne geklaut hätten. Lächerlich.

Und die vielerorts befürchtete und teilweise eingetretene Gleichsetzung der Post-Privacy-Ideologie unserem Parteiprogramm ist nicht das Resultat irgendeiner perfiden Marketingstrategie der Datenschutzkritiker, sondern vielmehr das Ergebnis grottenschlechter Recherche, Zuspitzung und Schlagzeilensuche seitens der Medien.

Wer nun befürchtet, die Partei würde durch diesen kleinen ThinkTank irreparabel geschädigt, überschätzt die Schlagkraft dieses Häufleins grandios. Im übrigen bin ich auch nicht Mitglied der Piraten geworden, um – wie zu Erichs Zeiten – rings um mich herum nur Leute mit der gleichen Meinung anzutreffen.

Der „Nachteil“, den man uns von allen Seiten andichtet – dass wir uns auf Parteitagen regelmäßig zerfleischen würden – ist mir allemal lieber als der Einheitsbrei bei anderen Veranstaltungen, auf denen ein einziger Kandidat eine Zustimmung von 90+ Prozentpunkten erhält und eine Wahl mit echten Alternativen als „Kampfkandidatur“ verunglimpft wird.

Abschließend habe ich noch ein Töpflein mit musikalischen Weisheiten für euch (man muß das Rad ja nicht immer neu erfinden), die ihr euch in einer ruhigen Minute einmal zu Gemüte führen solltet – und wenn ihr danach immer noch der Meinung seid, das Ende aller Tage sei nahe, dann geht halt sterben. Echt jezz.

Osamas Ende – Abgeknallt, versenkt und vergessen?

Jetzt geben sie Straßenparties, besaufen sich an der „Großtat“ ihrer Killerkommandos und haben ihren Lieblingssong in der Endlosschleife, denn sie haben ihre selbstgezüchtete Nemesis um die Ecke gebracht – nach 10 Jahren angeblich ununterbrochener Suche mit allen Mitteln. Nach der Liquidation wurde er dann – schnell, schnell – ins Meer geschmissen. Nur keine Reste hinterlassen, die eventuell zu einer späteren Überprüfung der offiziellen Version des Tathergangs genutzt werden könnten.

Dass sie mit der Eliminierung ihres Phantoms einen möglichen Märtyrer geschaffen haben könnten, interessiert sie genauso wenig wie ihre nun endgültig gestorbene, seit Jahren dahinsiechende moralische Überlegenheit. Ab sofort dürfen sie schön ruhig bleiben, wenn Libyen, Syrien, Iran, Russland oder China auf die Idee kommen sollten, ihren im Exil lebenden sogenannten „Feinden der inneren Sicherheit“ eigene Killerkommandos auf den Hals zu hetzen.

Es heißt, sie hätten bin Laden angeboten, sich zu ergeben, bevor sie ihm einen Kopfschuß verpassten, aber: wenn man schon die Leiche zwecks Identifikation im Hubschrauber mitschleppt – warum nicht einfach eine Kugel ins Bein? Dann wäre Osama, ob er sich ergeben hätte oder nicht, viel zu beschäftigt gewesen, um sich gegen seine Verschleppung zu wehren und hätte von einem ordentlichen Gericht verurteilt werden können. So jedoch bleibt der bittere Nachgeschmack einer mittelalterlichen Racheaktion, entstanden auch aus der Angst vor eventuell von bin Laden bei seiner Verhandlung enthüllten Homestories mit Cheney und dem Bush-Clan.

Update: Weiterer Lesestoff zum Thema.