Archiv für den Monat März 2011

Demokratienachhilfe für CDU und Mappus

Generalissimo El MappoNach 58 Jahren Herrschaft sieht die Union jetzt einer Götterdämmerung im Ländle entgegen. Beinahe möchte man Mitleid haben mit den armen Christ“demokraten“, wenn man sieht, wie niedergeschlagen sie auf die kalte Dusche reagierten. Beinahe.

Dann kommt einem sofort die Galle hoch, wenn man trotzige Abschiedsstatements des nunmehrigen Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus hört, dass dieser Tag „ein schlechter Tag für Baden-Württemberg“ wäre. Die Arroganz und Wählerverachtung, die aus dieser Stellungnahme spricht, ist typisch für eine Partei, die nie für ihre Verfehlungen abgestraft wurde und lässt jegliche Demut vor dem Souverän vermissen.

Auch die bajuwarische Schwesterpartei poltert gewaltig ob des ungehörigen Wahlergebnisses. So scheint sich Verkehrsminister Ramsauer gleich mal als Erpresser betätigen zu wollen und droht den Schwaben mit Kürzungen finanzieller Mittel aus dem Bundeshaushalt, weil die Grünen mit „Stuttgart 21“ das Lieblingsmilliardengrab der Union zur Disposition stellen.

Die schwäbische Union hat nun ein paar Jährchen Zeit, über ihre bürger- und demokratieverachtende Politik der letzten Jahre nachzudenken und wird irgendwann zur Erkenntnis gelangen müssen, dass sich Zustimmung nicht mit dem Polizeiknüppel herbeiprügeln lässt.

Übrigens: Das obige Mappini-Sammelbildchen und viele andere findet ihr beim Politblogger.

„Wir wollen Guttenberg zurück!“ – Der Küblböck-Effekt

Guttenberg: Same procedure as every year... -.-

Wer erinnert sich nicht an den zutiefst unmusikalischen „Breitmaulfrosch auf Ecstasy“ (O-Ton Oliver Welke) aus dem ländlich-bayrischen Dorfidyll Eggenfelden? Was hatten wir damals für einen Spaß mit den merkbefreiten Groupies, die ihr Idol mit Zähnen, Klauen und der beinahe schon legendären Rechtschreibschwäche verteidigen wollten.

Dass der Rausschmiß der einmalig untalentierten Heulboje vermutlich dem puren Selbsterhaltungstrieb der audiovisuell malträtierten Jury geschuldet war, interessierte die Anhängerschaft des Geschassten nicht die Bohne. Ihr ein und alles, ihr goldenes Kalb musste die an sich schon grottenschlechte Sendung verlassen! Welch Blasphemie!

Und natürlich ergoss sich Welle auf Welle selbstgerechter Empörung über jedes noch so kleine Weblog, das es wagte, auch nur den geringsten Kratzer am funkelnden Idol zu monieren. Der selbstgewählte, hochgepuschte, per Telefonvote (auch gerne als „Idiotenfalle“ tituliert) immer wieder gerettete Messias durfte nicht gescheitert sein!

Auch damals gab es Bestrebungen, das Verdikt der Jury per Petition, massenhafter Entrüstungsmail und was-weiß-ich-noch für Ideen rückgängig zu machen.

Schnellvorlauf ins Jahr 2011: wieder einmal ist ein Idol über die eigenen – dem selbst auferlegten Anspruch zufolge ja angeblich nicht vorhandenen – Unzulänglichkeiten gestolpert und der Länge nach auf den Beton (diesmal den des politischen Berlin) geknallt. Lange hat er sich gewehrt, den Sturz auch nur ansatzweise zuzugeben, scheibchenweise war von einem „kleinen Stolperer“ die Rede, bis der Ex-Doktor (und nun auch Ex-Verteidigungsminister) Guttenberg endlich die einzig sinnvolle Konsequenz aus der Affäre zog: er trat zurück.

Und wie schon zu Küblböcks Abgang dessen Groupies, scharrt diesmal die Anhängerschaft des Herrn zu Guttenberg in blinder Nibelungentreue mit den Hufen, bereit, alles niederzuwalzen, was nicht bei „Drei“ ein Hochlied auf ihren bajuwarischen Volks(!!!)helden anstimmt.

Nach den Erfahrungen des Jahres 2003 sollte uns also das erneute Auftauchen der Groupie-Heuschreckenplage nicht allzu sehr wundern. Die gab es und wird es immer geben, wenn ein hochgehyptes Sternchen vom Firnament stürzt und krachend auf dem Boden der Tatsachen aufschlägt. Nachdem die geifernde Horde ihre Sauherde durch die Netzwelt getrieben hat, wird sich jedes einzelne Mitglied wieder der eigenen, kleinen, unbedeutenden Welt zuwenden, aus der es ursprünglich gekrochen kam.

Guttenberg: Der Lügenbaron ersäuft im Selbstmitleid

Der Plagiator tritt also zurück. Nachdem er die Vorwürfe, er hätte seine Doktorarbeit abgeschrieben, vehement abstritt und erst nach und nach „Fehler“ einräumte (den eigentlichen Aufreger – nämlich die bewusste Täuschung im Rahmen der Arbeit und die nachträgliche wissentliche freche Lüge ins Gesicht der Wählerschaft) erwähnte er mit keinem Wort.

Und selbst während seiner Rücktrittsrede ist keine Spur der Reue zu sehen – im Gegenteil. Er triefte vor Selbstmitleid, schob den Medien und der Opposition die Schuld an der Affäre zu und missbrauchte einmal mehr die vor kurzem gefallenen Soldaten als Schutzschild. Und dieser Minister soll der populärste Politiker des Landes sein?

In den nächsten paar Wochen wird sich erweisen, inwieweit die „Beliebtheit“ dieses CSU-Sternchens einzig und allein der BILD-Werbekampagne für den Baron geschuldet ist, für die er sich ja bereits revanchiert hat.