Wikileaks und der Amoklauf der Vereinigten Staaten

Ich hatte mich zum Thema Wikileaks und der Hexenjagd auf die Hintermänner des Enthüllungsportals bereits in einem früheren Beitrag aufgeregt. Damals schienen die rechten Hetzer und Kontrollfreaks noch in der Minderheit, mussten sich wohl zurückhalten und eher im Geheimen an der Unterminierung der Pressefreiheit und der Freiheit des Netzes arbeiten.

Was wir jetzt nach Cablegate erleben, ist nichts anderes als das US-Equivalent eines beleidigten China nach einem massiven Gesichtsverlust. Die gleiche Regierung, die noch zu Jahresbeginn pathetisch die Freiheit des Netzes hochleben ließ, bekämpft diese Freiheit nun mit allen Mitteln, inklusive Rechtsbeugung, Nötigung und Erpressung von Providern, Zahlungsanbietern und Staaten.

Während radikale, ewiggestrige Rassisten wie der Ku-Klux-Klan weiterhin per Mastercard und Visa Spenden sammeln dürfen, sind die gleichen Unternehmen – ebenso wie Amazon und Paypal – auf Anfrage der US-Regierung eingeknickt wie rückgratlose Weichtiere und haben ihre Zusammenarbeit mit Wikileaks aufgekündigt.
Und eine schwedische Staatsanwältin lässt sich mit einer lächerlichen Anklage gegen den von den USA als „Staatsfeind Nr. 2“ propagierten Julian Assange als willfähriges Werkzeug amerikanischer Außenpolitik mißbrauchen und fügt dem Ansehen der skandinavischen Justiz irreparablen Schaden zu.

Der erste Verfassungszusatz – die Rede- und Meinungsfreiheit – ist in Zeiten der gezielt geschürten Terrorhysterie nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben steht. Die ehemals mit dem Versprechen einer „Transparenten Regierung“ angetretenen Demokraten sind vor rechten Hetzern und Verschwörungstheoretikern wie Glenn Beck und Rush Limbaugh – die man gut und gerne als Julius Streicher des 21. Jahrhunderts bezeichnen könnte – auf die Knie gegangen und lassen sich gnadenlos nach rechtsaußen treiben.

Dabei scheinen die Verantwortlichen zu vergessen, dass auf die Blamage durch die veröffentlichten Cables nun die zweite – womöglich größere -folgt: den hehren Versprechen von Demokratie und Meinungsfreiheit wurde die Maske heruntergerissen. Zum Vorschein kam die wahnsinnige Fratze eines Amok laufenden Staatsapparates.

2 Gedanken zu „Wikileaks und der Amoklauf der Vereinigten Staaten

  1. ebook news

    Es geht weiter, wieder verliert wikileaks eine Bankverbindung. Visa, Mastercard, Paypal und jetzt die Bank of America: Die Großbank reiht sich bei den Unternehmen ein, die Zahlungen an WikiLeaks sperren. Vielleicht liegt es daran, dass wikileaks als nächstes Ziel eine amerikanische Grossbank anvisierte. Auf der anderen Seite wird man an diesem Beispiel sehen, ob es auch auf Seiten der Banken monopolistische Strukturen gibt. Das wäre wirklich nicht gut.

    Antwort
  2. Pingback: Frohes Fest… und tankt schonmal auf für 2011 | Gormulus

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s