Wer Integrationsbereitschaft fordert, muss integrieren wollen

Integration ist keine Einbahnstraße. Diese Wahrheit, so banal sie auch klingen mag, scheint bei gewissen, über die Zukunft unseres Landes ach so besorgten Bürgern, auf taube Ohren zu stoßen.

Wer ständig fordert, „die Ausländer“ müssten – wenn sie ein Bleiberecht wollten – gefälligst die deutsche Sprache lernen (und am besten noch völlig akzentfreies Hochdeutsch reden), der soll auch dafür sorgen, dass genügend Geld für die benötigten Bildungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt wird, anstatt genau dort zu kürzen.

Wer fordert, dass „die Ausländer“ sich gefälligst in die Gemeinschaft einzugliedern und auf die Gesellschaft zuzugehen hätten, der sollte auch die Arme ausbreiten und zur Aufnahme der Zugewanderten bereit sein. Wenn sich einige aufnahmeunwillige Teile der Gesellschaft hinter pauschalen Vorurteilen verschanzen und jeden Migranten spüren lassen, dass er unerwünscht ist, dann braucht sich die Stammtischmeute nicht über Defizite bei der Integration zu wundern.

Wer sich über „Deutschenfeindlichkeit“ aufregt und darüber, dass „die da“ ja sowieso nur in Ghettos zusammenleben und gar keinen Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft aufbauen wollen, der sollte sich gefälligst an die eigene Nase packen und sich fragen, ob die abgestandenen Ausländerwitzchen bei der letzen Saufrunde wirklich nötig waren oder warum er eigentlich seinen Kindern einen kilometerlangen Schulweg zumutet, obwohl die nächste Bildungseinrichtung doch gleich um die Ecke wäre. Hatte die Entscheidung wirklich etwas mit dem angeblich besseren Niveau der gewählten Schule zu tun, oder damit, dass der kleine Kevin lieber mit Julius, Nils und Daniel in eine Klasse gehört, statt mit Achmed, Hassan oder Chalid die Schulbank drücken zu müssen?

Wer – wie die Senioren-Union – Zuwanderern das Kindergeld streichen will, „weil die ja sowieso nur hierhergekommen sind, damit sie auf der faulen Haut liegen können“, wer dem Fremden grundsätzlich ablehnend gegenübersteht, wer durch Wort, Mimik, Gestik und Taten deutlich zu verstehen gibt, dass der Neuankömmling nicht erwünscht ist, der soll sich nicht über die nachlassende Motivation zur Integration auf Seiten derer beschweren, die hier ihre neue Heimat suchen.

Eines sollte inzwischen auch dem letzten Hinterwäldler klar sein: unsere Geburtenrate ist im Keller, die Beiträge für Rente und Sozialversicherung müssen von immer weniger Menschen geschultert werden. In einer solchen Situation zu erwarten, dass „die da“ ja nur für ein paar Jahre hergekommen sind und irgendwann wieder „dahin verschwinden, wo sie hergekommen sind“, ist kein Zeichen von Qualitätskonservativismus oder klarem Profil, sondern eine veraltete Einstellung, die zu einem nicht unerheblichen Teil die derzeitigen Probleme mit verursacht hat.

2 Gedanken zu „Wer Integrationsbereitschaft fordert, muss integrieren wollen

  1. Artikelschreiber

    Ich finde dass junge Ausländer hier in Deutschland bleiben sollen, denn eigentlich sind das ja nicht mehr Ausländer sondern schon fast Deutsche. Die Eltern das sind die die ausgewandert sind. was können die Jugentliche denn dafür??? Die haben hier Freunde und alles… Was meien sie zu diesem Thema?

    Antwort
  2. Mathias Autor

    Was ist „fast Deutsch“? Einigen wir uns zunächst mal drauf, dass wir hier über Menschen reden. Die Begriffe „Ausländer“ oder „Migrant“ erzeugen bei mir sowieso Bauchschmerzen, und ich habe sie im Artikel auch nur ungern genutzt.
    Ich bin der Meinung, dass hier jeder seine Chance verdient hat. Und auch eine zweite. Und vielleicht, wenn jemand etwas länger braucht, noch ein paar mehr. Denn schließlich sind wir doch ein gastfreundliches Land, richtig? Oder haben wir nur mal eben zur WM 2006 eine Maske aufgesetzt, weil die Weltöffentlichkeit auf unser Land geschaut hat?

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s