„Tatort Internet“ – Der doppelte Missbrauch

Was übelsten Gossenboulevardismus angeht, ist RTL II inzwischen das 9Live des Stammtischlynchmobs. Da haben sie also ein neues Format im Abendprogramm: „Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder“. Der Versuch, sich von der CDU/CSU-nahen Lobbyorganisation derer zu Guttenberg an den Haaren aus dem „Angst, Hass, Titten“-Sumpf ziehen zu lassen, schlägt denn auch grandios fehl.

Wieder einmal werden die Opfer eines widerwärtigen Verbrechens zum Zweck des Machterhalts bzw. der Machtsteigerung einer bestimmten Interessengruppe instrumentalisiert. In diesem Sinne könnte man also von doppeltem Missbrauch sprechen – erst durch den Pädophilen, dann durch die ach so betroffenen Politiker, die sich nun eines dumpfen Aktionismus bedienen, um behaupten zu können, sie hätten doch „etwas getan“.

Die „Argumentation“ ist altbekannt: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen die gute Sache“ wurde schon in einem anderen Zusammenhang durch den republikanischen US-Präsidenten Bush junior populistisch ausgeschlachtet. Warum also nicht ein einmal totgerittenes Pferd nochmals durch die Manege peitschen? Die Zensursulas dieses Landes sind (vorerst) mit ihrem Netzzensurkonzept gescheitert. Also verlegt man sich darauf, die öffentliche Meinung mit sensationsgeilem „Enthüllungsjournalismus“ sturmreif zu schießen, bevor man einen neuen Anlauf wagt. Denn wenn es nach Frau zu Guttenberg und ihrem Hofstaat ginge, hätte der Rechtsstaat allemal ausgedient.

Update: Gräbt man nach Hintergrundinformationen über den Moderator Udo Nagel, stößt man ziemlich schnell auf die Firma Prevent AG, in deren Management Board er als „Senior Advisor“ sitzt. Und siehe da: Die Geschäftsräume dieser Firma wurden vom Landeskriminalamt Hamburg durchsucht, weil der Verdacht besteht, die Prevent AG hätte einem Mitarbeiter der HSH Nordbank kinderpornographisches Material untergeschoben, damit die Bank diesen Mitarbeiter einfacher loswerden könne.

2 Gedanken zu „„Tatort Internet“ – Der doppelte Missbrauch

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