Stuttgart 21: Friedhofsruhe im Schloßpark und die Lügen des Herrn Rech

Was mich am größenwahnsinnigen Projekt namens Stuttgart 21 – neben den offensichtlichen Mängeln in Planung und Durchführung – am meisten stört, ist die offensichtliche Betonkopfmentalität, die in den unionsgeführten Amtsstuben herrscht. Schwierigkeiten und Unregelmäßigkeiten werden ignoriert, die Gegner kleingeredet und – wenn schon, denn schon – in einer grotesken Prügelorgie von zukünftigen Großbaustellen vertrieben. Egal, ob Schüler, Rentner oder Krawattenträger – wer sich gegen die Politik eines Stefan Mappus, Heribert Rech oder Wolfgang Schuster wehrt, hat anscheinend seine Bürgerrechte verwirkt.

Wie sonst will man den brutalen Einsatz von Schlagstöcken, Reizgas und chemisch verstärkten Wasserwerfern gegen friedliche Demonstranten rechtfertigen, als dass hier ein ungeliebtes Großprojekt durchgeprügelt werden soll?
Wer sich dann noch, wie Herr Rech – seines Zeichens Innenminister Baden-Württembergs und Möchtegernanwärter auf den diesjährigen Ronald-Schill-Verdienstorden am Eichenlaub mit Schwertern – zu der dreisten Lüge versteigt, die Demonstranten hätten „Pflastersteine geworfen“ und „Kinder als lebende Schutzschilde benutzt“, der braucht sich über beißende Häme und steigende Wut bei den Opfern seiner Knüppel-aus-dem-Sack-Politik nicht zu beklagen.

Die systematische Verunglimpfung der Stuttgart-21-Gegner ist beileibe keine neue Erfindung. Schon kurz nach dem Arbeiteraufstand 1953 wurden die Demonstranten wahlweise als westdeutsche, kapitalistische und/oder imperialistische Provokateure verunglimpft. Denn es konnte nicht sein, was nicht sein durfte: der „brave Bürger“ steht doch nicht gegen die Entscheidungen des Staates auf.

In diesem Sinne folgt hier ein kleines Video mit positiver Berichterstattung, die sicher Gefallen in Unions- und Bahnkreisen finden dürfte. Nach dem Desaster vom 30.9. benötigen diese Herrschaften schließlich alle positive PR, die sie bekommen können.

Update: Weissgarnix hat die Hintergründe des Polizeieinsatzes noch einmal in einem lesenswerten Artikel analysiert. Außerdem sehenswert: Volker Lösch, Regisseur am Staatstheater Stuttgart, äußert sich zum Polizeieinsatz und zu den Verleumdungen der Demonstranten durch die verantwortlichen Politiker.

Update 2: Ein Blog liefert Hintergründe zum Verdacht auf den Einsatz von Polizisten in Zivil gegen die Bereitschaftspolizei zwecks Rechtfertigung des staatlichen Gewaltexzesses sowie Hinweise auf die nachträgliche Bild- und Videomanipulation durch die Polizei.

Ein Gedanke zu „Stuttgart 21: Friedhofsruhe im Schloßpark und die Lügen des Herrn Rech

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