Der vergeigte Abgang

Rücktritte hat es ja auf politischer und gesellschaftlicher Ebene in letzter Zeit zuhauf gegeben. Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche zog die Konsequenzen aus einer Alkoholfahrt. Der hessische Scharfmacher der CDU schmiss hin. Von der Selbstdemontage der SPD auf allen Ebenen ganz zu schweigen. Alles im Rahmen, auch wenn man über manch vorgeschobene Gründe nur den Kopf schütteln kann.

Den Vogel abgeschossen hat nun allerdings unser Bundeshorst mit einem in der Geschichte unserer Republik bisher einmaligen Abgang. Man hätte seine Entscheidung verstehen können – wenn er sie mit eigenen Fehlern begründet hätte. Was nicht der Fall ist. Stattdessen schwadronierte er bei seiner Rücktrittserklärung beinahe weinerlich:

Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen.
(Siehe auch: Vollständiger Text der Rücktrittserklärung)

Mal ganz davon abgesehen, dass es für seine Begründung des Afghanistaneinsatzes zu Recht Kritik hagelte, scheint der ehemalige Bundespräsident eines nicht verstanden zu haben: wer ein politisches Amt bekleidet, muss mit Gegenwind für jede Entscheidung, Äußerung und Handlung rechnen. So funktioniert eine Demokratie nun mal, und das ist auch gut so. Wer damit nicht fertig wird, hat in der Politik nichts verloren.

Nicht die Medien oder die Kritik an seinen Äußerungen haben sein Amt beschädigt, sondern er selbst. Hätte er seinen Abgang mit dem eigenen Fehlverhalten begründet – jeder hätte diesen Schritt verstanden, obwohl eine Entschuldigung beziehungsweise Klarstellung in eigenen Worten es auch getan hätte.

Wenn sich jedoch ein Bundespräsident Kritik an eigenen Fehlern verbittet, dann zeugt das von einem Demokratieverständnis, mit dem er erst gar nicht in dieses Amt gewählt gehört hätte. Und den Respekt für sein Amt – beziehungsweise seine Person – muss sich ein Bundespräsident, genau wie jeder andere Politiker auch, verdienen. Es hätte dem Amt und ihm selbst gut zu Gesicht gestanden, wenn er sich den verlorenen Respekt durch harte und ehrliche Arbeit wieder erarbeitet hätte.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s