Wie ich lernte, der SPD mein Kreuz zu verweigern

Als Wähler mit Tendenz zur Sozialdemokratie hat man es momentan nicht leicht. Die “alte Tante” humpelt zur Zeit auf Krücken vor sich hin und wird von der CDU an der kurzen Leine gehalten. Der letzte Kanzler der SPD hat der Partei mit seiner Agenda 2010 eine nur langsam heilende Wunde geschlagen, wenngleich auch sein polterndes “Nein” zu einer deutschen Beteiligung am Feldzug im Irak sicher einige Risse übertüncht hat.

Nicht nur der Kanzler, auch der Innenminister der letzten SPD-geführten Regierung hat sein möglichstes getan, das Ansehen der altgedienten Partei zu schädigen. Sein Amtsnachfolger Dr. Wolfgang Schäuble müsste Herrn Schily eigentlich für die aus seiner Sicht sicher wertvolle Vorarbeit dankbar sein.

Weiterhin leidet die Sozialdemokratie an einem gravierenden Mangel an herausragenden Persönlichkeiten. Man kann nicht ewig vom Glanze eines Herbert Wehner, Willy Brandt oder Helmut Schmidt zehren. Irgendwann braucht es wieder Persönlichkeiten, und die sind in der Führungsriege nicht existent.

Schlussendlich fehlt das, was sich mit dem einfachen Wort “Rückgrat” bezeichnen lässt. Wo ist die Charakterstärke einer SPD geblieben, die jedwedem übersteigerten Machtanspruch eines Einzelnen entschieden entgegentrat? Wo ist der Mut, wo ist die Würde einer Partei geblieben, die noch unter Gefahr für Leib und Leben nicht Steigbügelhalter für die Einführung der Diktatur spielen wollte und dies mit dem einfachen Satz begründete, “Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!”?

Stattdessen wird noch jedem einzelnen unausgegorenem Gesetzesentwurf aus den Häusern Schäuble und von der Leyen zugestimmt, die Partei ist zur Zustimmungsmaschine für die Vergewaltigung des Grundgesetzes verkommen und machte Herrn Schäuble das BKA-Ermächtigungsgesetz und der Frau von der Leyen die Einführung der intransparenten Internetzensur zum Geschenk.

Man möchte schreien und toben, man möchte die Parteiobersten ohrfeigen und ihnen ins Gesicht brüllen: Seht ihr nicht, daß ihr die Partei in den Untergang führt? Daß ihr in großen Teilen kaum noch von der CDU zu unterscheiden seid?

Was sind nun die Alternativen für einem solchermaßen enttäuschten Wähler? Die CDU fällt natürlich von vornherein flach. Die FDP ist ebenfalls indiskutabel, denn eine Stimme für die Liberalen würde einer schwarz-gelben Koalition Tür und Tor öffnen. Die Linke ist unwählbar, denn sie vereint zu viele Altlasten aus dem “real existierenden Sozialismus” und einen Haufen romantischer Kommunisten auf sich, die von den Ungerechtigkeiten, die im Namen ihrer Idealvorstellung eines Staates begangen wurden, nicht die geringste Ahnung haben oder haben wollen. Mich den Nichtwählern anzuschließen ist ebenfalls keine Option, denn jede nicht abgegebene Stimme ist eine Stimme für Schäuble und Konsorten.

Bleiben nur noch die Grünen oder aber die Piratenpartei. Die Grünen sind zwar schon länger etabliert, haben auch ein ausgefeiltes Parteiprogramm, aber in Sachen neue Medien, Internet und Datenschutz haben sie noch zu wenig Kompetenz vorzuweisen. Bleibt nur also nur eines zu tun: ich entscheide mich für die Partei, die meiner Meinung nach im Feld einer zukunftsweisenden Technologie die höchste Kompetenz vorzuweisen hat.

So werde ich am 27. September die Totenkopfflagge hissen und mit einem zufriedenen “Arrrr!” auf den Lippen mein Kreuz bei den Freibeutern des 21. Jahrhunderts machen.

2 Gedanken zu „Wie ich lernte, der SPD mein Kreuz zu verweigern

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