“PostPrivacy”: Vergesst mal Staat, Einbrecher und Stalker, was ist mit Opa Hubert?

Jeder kennt ihn, jeder hat so einen als Nachbarn: Erbsenzähler, Flur- und Straßenblockwarte, Gartenzwerggrößenvermesser und Just-For-Fun-Gerichtscamper. Der Einfachheit halber geben wir diesem Menschenschlag mal ein Gesicht in Gestalt des “Opa Hubert”.

Opa Hubert war früher mal ein recht umgänglicher Mensch, aber seit die Kinder aus dem Haus und seine Gertrude unter der Erde ist, hat unser Opa einen leichten Knacks. Um sich von seiner Einsamkeit abzulenken, hat er sich eine schwere Bürde auferlegt: wieder Zocht und Ordnung in seine Straße zu bringen.

Denn es kann ja nicht angehen, dass der Bürgersteig ständig zugemüllt wird (Zwei Kaugummipapiere pro Tag! Eine Katastrophe!), Fräulein Wiese von nebenan ihren Köter im öffentlichen Park ausführt, so dass man bei jeder Gelegenheit in die Hundscheiße tritt (Opa Hubert war zwar zuletzt vor 15 Jahren zusammen mit Gertrude im Park, und seinen letzten Hundehaufen hat er vor 20 Jahren gesehen, aber man weiß ja, dass dieses Viehzeugs ständig und überall die Wege zukackt!), und dann noch dieses asoziale Pack von nebenan! Schon um 14:59 dröhnt die Musik und weckt ihn aus seinem wohlverdienten Nickerchen, obwohl die Mittagsruhe bis 15:00 geht! Steht alles in der Hausordnung, Opa Hubert besitzt sie in mehrfacher Ausführung – gerahmt an der Wand und abgeheftet in den Akten. Wobei er in all seiner Akribie vergessen hat, einfach mal zu prüfen, ob seine Uhr nicht eventuell einen kleinen Tick nachgeht.

Opa Hubert geht jeden Tag auf Patrouille. Dutzende “Falschparker” hat er schon zur Anzeige gebracht, penibelst misst er den Abstand der abgestellten Vehikel zum Bürgersteig und zur nächsten Kreuzung. Ordnung muss sein! Er kennt jedes Gesetz, jedes Ordnungsblatt, sämtliche Paragraphen – und hat von seinem Wissen bereits unzählige Male Gebrauch gemacht. Bei seinen Nachbarn heißt er nur noch “Terroropa”, aber das stachelt ihn eher an, als dass es ihn zum Nachdenken bringt.

Nachdem wir unseren freundlichen, erbsenzählenden Nachbarn nun also in groben Zügen umrissen haben, stellt sich die Frage, die mir keiner unserer Post-Privacy-Apologeten zufriedenstellend beantworten konnte: was passiert, wenn solch ein “Terroropa” sich irgendwann in die Materie eingearbeitet hat, virtuos mit Facebook, Twitter und sonstigen Social Networks umgehen kann (ja, auch unsere Generation wird mal in die Jahre kommen!) und die dort veröffentlichten – und öffentlichen(!) -  Daten dann nutzt, um seine Umgebung wieder auf Linie zu bringen? Der gemeine “Post-Privacy-Spacko” weiß im Zweifel nicht, dass in seinem Viertel (auf Initiative von Opa Hubert übrigens!) ab 22 Uhr Nachtruhe herrscht. Und er mag Glück haben, dass Opa Huberts Fotoapparat nachts eher mäßige Beweisfotos von der Party schräg gegenüber im Spackenloft geliefert hat. Dafür aber sind die Facebook-Updates, Bilder und Handyvideos umso deutlicher – alle mit Orts- und Zeitangabe gepostet, getaggt und einzelnen Partyteilnehmern zugeordnet. Ein Eldorado für unseren Opa. Und es gäbe sicher noch dutzende weitere Anwendungsfälle, denn der Phantasie unseres Freizeitblockwarts sind sicher keine Grenzen gesetzt.

Update: Mehr Lesestoff zum Thema.

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Sarrazin, Friedrich und rechtspopulistischer Sozialdarwinismus

Wer unserem “Bundesdenker” Thilo eine Weile zugehört und sich die Mühe gemacht hat, seine kruden Thesen zu lesen, der wird den Eindruck nicht los, dass der braune Schnauzer eine längst obsolete Pseudowissenschaft herausgekramt hat: den Sozialdarwinismus . Äußerst beliebt unter Addi und Konsorten, bot diese Ersatzreligion – bei entsprechender Interpretation – eine bequeme Ausrede, um Juden, Zigeuner, “Asoziale” und sonstige Unerwünschten “aus dem Volkskörper zu entfernen”.

Unser Thilo geht denn auch davon aus, dass “der Moslem an sich” dem westlich geprägten Menschen kulturell unterlegen sei. Auch begehen ähnlich denkende Individuen den Fehler, Darwin die These “der Stärkere überlebt” in den Mund zu legen, um ihren menschenfeindlichen Absichten einen legitimen Anstrich zu verleihen. Darwin jedoch postulierte nicht das “Überleben des Stärkeren”, sondern erklärte, dass diejenigen Lebewesen die größeren Verbreitungschancen hätten, die sich am besten an ihre jeweilige Umwelt anpassen könnten.

Zusätzlich zur Pervertierung der darwinschen Theorie durch die konservativen Rechtsausleger unserer Republik, begehen Sarrazin, Friedrich und Co. auch noch den (absichtlichen?) Fehler, sich auf Nebensächlichkeiten zu konzentrieren, um Probleme zu “erklären”. Und weil unsere Freunde vom rechten Rand ja Freunde der Evolutionstheorie sind, werden wir ihnen einen ihrer verbreiteten Irrtümer mit Hilfe ebendieser zu erklären.

Unsere braunen Marktschreier gehen ja desöfteren davon aus, dass der Migrationshintergrund (lies: die fremde, also “minderwertige Rasse”) ein Hauptfaktor für Kriminalität sei. Betrachten wir also das Phänomen kriminellen Verhaltens als biologische Nische, die – je nach Ort – von Menschen unterschiedlichster Coleur ausgefüllt wird. Bedienen wir uns desweiteren bei dieser Betrachtung des Bildes einer langgezogenen Blüte, die an die mit ihr in Symbiose lebenden Tiere spezielle Anforderungen stellt.

Ein Insekt, das sich vom Nektar dieser Blüte ernährt, müsste aufgrund der Blütenform einen besonders langen Rüssel entwickelt haben, um die Nahrung überhaupt erreichen zu können. Oder vielleicht erlauben es speziell angepasste Füsse dem Insekt, auf der besonders glatten Innenseite der Blüte Halt zu finden. Gehen wir davon aus, dass die Pflanzenart eine weite Verbreitung gefunden hat und deren Nektar mehreren Insektenarten als Nahrung dient. Die eine Insektenart mag vielleicht eine schwarz-gelbe Zeichnung aufweisen, die andere eine braune.

Anstatt nun den Rüssel oder die besonders gut haftenden Füsse als Hauptinstrumente zur Nahrungsbeschaffung anzusehen, bestehen die Herren Friedrich, Sarrazin und deren Anhänger vom braunen Mob darauf, dass es die farbigen Zeichnungen wären, die dem Insekt das Erreichen des Nektars überhaupt erst ermöglichen.

Auf die “Integrationsdebatte” (oder besser das Integrationsgezeter) übertragen, brüllen sich Sarrazin und Co. im Brustton der Überzeugung die Seele aus dem Leib, dass nur und ausschließlich die von ihnen als minderwertig empfundene Kultur der Einwanderer (lies: “Untermensch”) Ursache krimineller Tendenzen in den Großstädten sei, statt auf die massenhaft zutage tretende Bildungs-, Perspektiv- und Chancenlosigkeit in den sogenannten “Problemvierteln” zu schauen.

Dass man in den als “No-Go-Areas” für Migranten (von NPD und Konsorten auch liebevoll als “national befreite Zonen” tituliert) bekannten Stadtteilen und Provinznestern Ostdeutschlands die selben Nischen vorfindet, die dort jedoch von gröhlenden Glatzen und einer saufenden Dorfjugend besetzt werden, das interessiert die Herren Marktschreier nicht.

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Wollt ihr den totalen Kerrriiii… Ähm… die Mindestdatenspeicherung?

Laut unserem neuen GröVaZ (Größten Vorratsdatenschnüffler aller Zeiten seit dem Mielke-Fan Wolle Schäuble) Hans-Peter Friedrich herrschen ja Sodom und Gomorrha im Netz, und Zocht und Ordnung(!!) liegen danieder, seit die Union vom Bundesverfassungsgericht für ihre Schnüffelgeilheit abgewatscht wurde.

Und wieder einmal soll ganz Deutschland an bayrischer Polizeistaatswillkür genesen. Zusammen mit dem “Stasi 2.0″-PR-Heini und Polizeigewerkschaftsvorsitzenden Rainer Wendt packte unser neuer Bundesinnenkasper einmal mehr die erwiesenermaßen falsche Argumentation aus, ohne Vorratsdatenspeicherung sei eine Ermittlung im Netz unmöglich (lies: der “rechtsfreie Raum Internet”).

Die einzige Lehre, die unser beratungsresistenter Innenminister aus den Debatten um die Onlineschnüffelei gezogen zu haben scheint, ist, dass dieses Projekt unbedingt einen neuen Namen braucht:

Auch Friedrich will lieber von Mindestdatenspeicherung sprechen: “Dieser Begriff ist besser, denn bei Vorratsdatenspeicherung wird man merkwürdig angeschaut.”

Jawoll. Wenn du deine Scheiße nicht mehr verkauft bekommst, hinterfrage nicht das Produkt, sondern benenne es einfach um. Der Verbraucher (hier: der Bürger) wird schon dämlich genug sein, diesen Stunt zu schlucken. Und wenn nicht, dann stopfen wir es ihm solange in seinen widerborstigen Hals, bis er es runterwürgen muss, gell?

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Demokratienachhilfe für CDU und Mappus

Generalissimo El MappoNach 58 Jahren Herrschaft sieht die Union jetzt einer Götterdämmerung im Ländle entgegen. Beinahe möchte man Mitleid haben mit den armen Christ”demokraten”, wenn man sieht, wie niedergeschlagen sie auf die kalte Dusche reagierten. Beinahe.

Dann kommt einem sofort die Galle hoch, wenn man trotzige Abschiedsstatements des nunmehrigen Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus hört, dass dieser Tag “ein schlechter Tag für Baden-Württemberg” wäre. Die Arroganz und Wählerverachtung, die aus dieser Stellungnahme spricht, ist typisch für eine Partei, die nie für ihre Verfehlungen abgestraft wurde und lässt jegliche Demut vor dem Souverän vermissen.

Auch die bajuwarische Schwesterpartei poltert gewaltig ob des ungehörigen Wahlergebnisses. So scheint sich Verkehrsminister Ramsauer gleich mal als Erpresser betätigen zu wollen und droht den Schwaben mit Kürzungen finanzieller Mittel aus dem Bundeshaushalt, weil die Grünen mit “Stuttgart 21” das Lieblingsmilliardengrab der Union zur Disposition stellen.

Die schwäbische Union hat nun ein paar Jährchen Zeit, über ihre bürger- und demokratieverachtende Politik der letzten Jahre nachzudenken und wird irgendwann zur Erkenntnis gelangen müssen, dass sich Zustimmung nicht mit dem Polizeiknüppel herbeiprügeln lässt.

Übrigens: Das obige Mappini-Sammelbildchen und viele andere findet ihr beim Politblogger.

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“Wir wollen Guttenberg zurück!” – Der Küblböck-Effekt

Guttenberg: Same procedure as every year... -.-

Wer erinnert sich nicht an den zutiefst unmusikalischen “Breitmaulfrosch auf Ecstasy” (O-Ton Oliver Welke) aus dem ländlich-bayrischen Dorfidyll Eggenfelden? Was hatten wir damals für einen Spaß mit den merkbefreiten Groupies, die ihr Idol mit Zähnen, Klauen und der beinahe schon legendären Rechtschreibschwäche verteidigen wollten.

Dass der Rausschmiß der einmalig untalentierten Heulboje vermutlich dem puren Selbsterhaltungstrieb der audiovisuell malträtierten Jury geschuldet war, interessierte die Anhängerschaft des Geschassten nicht die Bohne. Ihr ein und alles, ihr goldenes Kalb musste die an sich schon grottenschlechte Sendung verlassen! Welch Blasphemie!

Und natürlich ergoss sich Welle auf Welle selbstgerechter Empörung über jedes noch so kleine Weblog, das es wagte, auch nur den geringsten Kratzer am funkelnden Idol zu monieren. Der selbstgewählte, hochgepuschte, per Telefonvote (auch gerne als “Idiotenfalle” tituliert) immer wieder gerettete Messias durfte nicht gescheitert sein!

Auch damals gab es Bestrebungen, das Verdikt der Jury per Petition, massenhafter Entrüstungsmail und was-weiß-ich-noch für Ideen rückgängig zu machen.

Schnellvorlauf ins Jahr 2011: wieder einmal ist ein Idol über die eigenen – dem selbst auferlegten Anspruch zufolge ja angeblich nicht vorhandenen – Unzulänglichkeiten gestolpert und der Länge nach auf den Beton (diesmal den des politischen Berlin) geknallt. Lange hat er sich gewehrt, den Sturz auch nur ansatzweise zuzugeben, scheibchenweise war von einem “kleinen Stolperer” die Rede, bis der Ex-Doktor (und nun auch Ex-Verteidigungsminister) Guttenberg endlich die einzig sinnvolle Konsequenz aus der Affäre zog: er trat zurück.

Und wie schon zu Küblböcks Abgang dessen Groupies, scharrt diesmal die Anhängerschaft des Herrn zu Guttenberg in blinder Nibelungentreue mit den Hufen, bereit, alles niederzuwalzen, was nicht bei “Drei” ein Hochlied auf ihren bajuwarischen Volks(!!!)helden anstimmt.

Nach den Erfahrungen des Jahres 2003 sollte uns also das erneute Auftauchen der Groupie-Heuschreckenplage nicht allzu sehr wundern. Die gab es und wird es immer geben, wenn ein hochgehyptes Sternchen vom Firnament stürzt und krachend auf dem Boden der Tatsachen aufschlägt. Nachdem die geifernde Horde ihre Sauherde durch die Netzwelt getrieben hat, wird sich jedes einzelne Mitglied wieder der eigenen, kleinen, unbedeutenden Welt zuwenden, aus der es ursprünglich gekrochen kam.

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Guttenberg: Der Lügenbaron ersäuft im Selbstmitleid

Der Plagiator tritt also zurück. Nachdem er die Vorwürfe, er hätte seine Doktorarbeit abgeschrieben, vehement abstritt und erst nach und nach “Fehler” einräumte (den eigentlichen Aufreger – nämlich die bewusste Täuschung im Rahmen der Arbeit und die nachträgliche wissentliche freche Lüge ins Gesicht der Wählerschaft) erwähnte er mit keinem Wort.

Und selbst während seiner Rücktrittsrede ist keine Spur der Reue zu sehen – im Gegenteil. Er triefte vor Selbstmitleid, schob den Medien und der Opposition die Schuld an der Affäre zu und missbrauchte einmal mehr die vor kurzem gefallenen Soldaten als Schutzschild. Und dieser Minister soll der populärste Politiker des Landes sein?

In den nächsten paar Wochen wird sich erweisen, inwieweit die “Beliebtheit” dieses CSU-Sternchens einzig und allein der BILD-Werbekampagne für den Baron geschuldet ist, für die er sich ja bereits revanchiert hat.

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Guttenberg: Mach’ mal jemand ‘ne Dose Mitleid auf…

Zu Hülf, die Lichtgestalt wird demontiert! Im konservativen Lager rennen sie jetzt herum wie aufgescheuchte Hühner, denn ihr politischer Heiland, ihr Erlöser, ihr Stimmviechgarant wackelt ganz erheblich.

Die Aura der ehrlichen Haut, die kein Blatt vor den Mund nimmt, die das – oft simple – Weltbild des gemeinen CSU-Anhängers eloquent wiederzukäuen in der Lage ist, den Wähler nicht belügt, stets die Bodenhaftung behält, sie schwindet!

Das kann, das darf natürlich nicht sein. Und wie immer in solchen Fällen ähnelt die solchermaßen gekränkte Anhängerschaft einem bockigen Kind, dem man das Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Wohlgemerkt: Die Guttenberg-Fanatiker nehmen nicht etwa ihrem Idol übel, dass es doch nicht ganz so ehrlich zu ihnen war, im Gegenteil. Blind vor Wut wird auf den Überbringer der Nachricht eingedroschen, der ach so arme Doktor in Schutz genommen.

Zu Vollpfosten machen sich die selbsternannten Prätorianer des Freiherren endgültig, wenn sie für ihren Schutzbefohlenen das einfordern, was sie “dem Internet” und sonstigen Feindbildern nie zustehen würden: Nachsicht. Die hat er nicht verdient, im Gegenteil.

Wer im Einklang mit den Lobbyisten der Contentmafia und vorsintflutlicher Auffassung von Netzpolitik gegen das Internet hetzt, mit der vollen Absicht, die freie Meinungsäußerung im Web sturmreif zu schießen, der verdient ebensowenig “Gnade” wie der schwulen- und latinofeindliche “Kein-Sex-vor-der-Ehe”-Republikaner-Rechtsaußen, der vor Kameras tränenreich seinen Abschied verkünden muss, weil er seine Geliebte(n) regelmäßig im ansonsten knochentrockenen Ehebett genagelt hat. Und die Wut des rechtschaffenden Studenten ist durchaus angebracht.

Guttenbergs einzige(!) Leistung bestand in der Vorspiegelung eines gewissen Anstands und einer Geradlinigkeit, die unsere derzeitigen Politiker allesamt vermissen lassen. Der Freiherr wollte dem Wahlviech weismachen, er stünde für kompromisslose Ehrlichkeit.

Er hat seine Konkurrenz wie seine Untergebenen in aller Öffentlichkeit mit enorm hohen Maßstäben gemessen (siehe auch: Abwälzung mangelhafter Informationskoordination auf den Generalinspekteur der Bundeswehr, Beurlaubung des Gorch-Fock-Kapitäns ohne vorherige Anhörung) und beschwert sich nun, wenn er selbst an ebendiesen scheitert? Dieses Verhalten würde eher zu einem quengelnden Kleinkind passen.

Und wer jetzt “Hexenjagd” schreit, der ignoriert geflissentlich die Hofberichterstattung, die das CSU-Sternchen monatelang genießen durfte. Ihm ist nur zuteil geworden, was seit Ikarus unzähligen hoch fliegenden Persönlichkeiten widerfuhr: er ist wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

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Glückwunsch, Ägypten.


Original-Foto von Gutjahr’s Flickr-Stream.

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Mubarak “Alternativlos”

Was mich am Umgang westlicher Schreiberlinge und Politiker mit der ägyptischen Revolution extrem aufregt, ist der latente Verdacht gegenüber dem “arabischen Frühling”, ein erfolgreicher Umsturz könne ausschließlich in eine brutale Theokratie á la Iran münden. Da kann der Jungspund auf der Straße genauso wie die stolze, demonstrierende Frau noch so energisch widersprechen, im Westen herrscht die durchgängige Meinung, wenn “der Moslem” auf die Straße geht, kann am Ende nur ein Chomeini-Klon auf dem Thron sitzen.

Mit dieser Panikmache sind Mubarak und Konsorten jahrzehntelang wundervoll gefahren. Und auch jetzt noch wirkt die ständige Terrorrhetorik nach, glaubt man eher inländischen Pappnasen, die im TV apokalyptische Zukunftsvisionen ausbreiten dürfen, solange unterm Namen am Bildschirmrand noch das Zauberwörtchen “Experte” steht.

Scheiß drauf, dass am zentralen Platz in Kairo religionsübergreifend gebetet wird, bevor man zum Protest schreitet. Dass der einfache Mann auf religiöse Fundamentalisten flucht. Dass die Revolution nicht von alten Männern mit Bärten getragen wird, sondern von einer freiheits- und lebenshungrigen Jugend.

“Der Moslem” an sich rennt – wenn er erst mal die freie Wahl hat – sofort den radikalen Dschihadisten in die Arme, lies: ist zu dämlich für die Demokratie.

Dies ist das Bild, das westliche Politiker entweder im Kopf haben oder aufgrund eigener (staatlicher) Interessen immer wieder verbreiten: Der unmündige Muslim, der ohne westliche Anleitung einen Übergang zur Demokratie nicht hinbekommt.

Überhaupt muss man sich sehr genau ansehen, wer momentan von “Nichteinmischung” in innerägyptische Angelegenheiten spricht. Wie gestelzt sowohl Europa als auch die USA von “geordneter Transformation” sprechen, und dass man lieber nicht eingreifen solle. Tatsache ist: wir haben seit Jahren in innerägyptische Angelegenheiten eingegriffen. Wir greifen noch immer ein.

Wir nehmen Partei – und zwar für den Repressionsapparat des Herrn Mubarak. Seit Jahren ist Geld nach Ägypten geflossen – als Militär- und “Entwicklungs”hilfe. Solange dieses Geld weiterfließt, nehmen wir Partei für die feine Gesellschaft, die vor wenigen Tagen ihre Prügelbataillone auf den Tahrir-Platz schickte, um friedliche Demonstranten für den erlittenen Imageschaden zu bestrafen. Wir finanzieren Schlagstöcke, Reiz- und Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition, die vom Regime gegen das eigene Volk eingesetzt werden.

Gut, man distanziert sich inzwischen vorsichtig vom ägyptischen Noch-Präsidenten. Gleichzeitig aber mehren sich die Stimmen, dass die Demonstranten doch im Sinne einer “geordneten Transformation” bitteschön mit dem neuen Vizepräsidenten zusammenarbeiten möchten, so er denn die Macht von Mubarak erben sollte. Und man wundert sich, warum diese Forderung in den Ohren der Demonstrierenden wie blanker Hohn klingt.

Man versetze sich nur einmal 20 Jährchen in die Vergangenheit und überlege sich folgendes Szenario: Honecker ernennt vor seiner Abdankung Erich Mielke als Nachfolger, und der Westen verlangt von der DDR-Opposition, im Interesse einer “geordneten Transformation” doch bitteschön mit diesem “durchaus vernünftigen Mann” zusammenzuarbeiten. Eine unzumutbare Forderung, gell? Und warum verlangt man von der ägyptischen Opposition nun eine Zusammenarbeit mit Suleiman ?

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Howto: Piss off the Net – “Monika Piel”-Style

Liebe ARD, was habt ihr euch denn da angelacht? Die WDR-Intendantin Monika Piel, die vor einigen Tagen auch den Vorsitz über eure Rundfunkanstalt übernommen hat, scheint ja ein ganz besonderes Schätzchen zu sein. Zunächst einmal bückt sie sich bis zum Anschlag vor der privaten Konkurrenz, indem sie die gebührenfinanzierte ARD eher als Verbündete denn als Gegenspieler der Privaten verstanden haben will und anschließend ruft sie noch zu einem gemeinsamen Kreuzzug gegen Google auf:

“Was tun Sie, um den Zeitungen zu helfen?

Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die richtige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.

[...]

Ist Google eine Bedrohung für die ARD?

Natürlich. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern für alle Qualitätsmedien.”

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Frau Piel macht die ARD mit ihrer Aussage (“Die ARD steht dafür bereit”) zu Privatarmee des Springer-Chefs – eines Menschen, der gewiss nicht unerheblich zur Kastration des öffentlich-rechtlichen Onlineangebotes durch den Rundfunkänderungsstaatsvertrag beigetragen hat.

Der Gegner, den ein Herr Döpfner dabei ins Auge gefasst hat, ist eine Firma, die – im Gegensatz zu den Propagandablättchen seines Verlags – einen regelmäßigen Gewinn abwirft. Herr Döpfner hätte gerne, dass Google zusätzlich zu den unzähligen Besuchern, die es tagtäglich auf die springerschen Onlinepublikationen schaufelt, noch ordentlich Geld an die Verlage abdrückt – was ungefähr das gleiche ist, wie eine Werbeagentur für eine erfolgreiche Kampagne zur Kasse zu bitten, anstatt die Agentur für ihre Mühen entsprechend zu entlohnen.

Und im Zusammenhang mit Springer von “Qualitätsmedien” zu sprechen, lässt tief in die anscheinend kaum noch vorhandenen Qualitätsansprüche der Frau Piel blicken.

Aber es kommt noch schlimmer:

“[...] Wenn es die Verleger schaffen, alle ihre Apps kostenpflichtig zu machen, werde ich mich in der ARD dafür einsetzen, dass auch wir Geld verlangen. [...]

Wie schnell könnten Sie ihre Apps denn überhaupt kostenpflichtig machen?

Es gibt ja schon heute kostenpflichtige Apps der ARD, beispielsweise die Loriot-App. Den Geburtsfehler des Internets – kostenlose Inhalte – zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig.”

Die Chefin einer gebührenfinanzierten Rundfunkanstalt will ihre Kunden also doppelt zur Kasse bitten – gehts noch? Erst sollen die Konsumenten mit ihren Gebühren den kastrierten Onlineauftritt finanzieren und dann will Madame für den Empfang der magersüchtigen Internetinhalte dem Gebührenzahler nochmals in die Taschen greifen?

Und eines wollen wir mal klarstellen: die freie Verfügbarkeit von Inhalten ist nicht irgendein auszumerzender Geburtsfehler, sondern die ursprüngliche Intention des Netzes. Der Geburtsfehler von Verlagen, die sich nun in der Onlinepublikation ihrer Inhalte versuchen, ist, ihr Totholzgeschäftsmodell krampfhaft auf das Internet übertragen zu wollen und zu glauben, dass diese Strategie tatsächlich funktioniert.

Frau Piel sollte sich schleunigst andere Freunde suchen. Denn der Konkurrenz dermaßen in den Allerwertesten zu kriechen, wird nicht dafür sorgen, dass die Privaten nun ihr Lobbying gegen die Öffentlich-Rechtlichen einstellen. Und die Dame sollte sich schnellstens gewahr werden, wer ihr Gehalt zahlt. Sonst verspielt sie auch noch die letzten Sympathien, die die Öffentlich-Rechtlichen online gesammelt haben und steht am Ende allein auf weiter Flur.

Besser noch: die ARD sollte sich dringend um eine(n) neue(n) Vorsitzende(n) bemühen. Bevor alles zu spät ist.

Weiterer Lesestoff zu diesem Thema:

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