Jeder kennt ihn, jeder hat so einen als Nachbarn: Erbsenzähler, Flur- und Straßenblockwarte, Gartenzwerggrößenvermesser und Just-For-Fun-Gerichtscamper. Der Einfachheit halber geben wir diesem Menschenschlag mal ein Gesicht in Gestalt des “Opa Hubert”.
Opa Hubert war früher mal ein recht umgänglicher Mensch, aber seit die Kinder aus dem Haus und seine Gertrude unter der Erde ist, hat unser Opa einen leichten Knacks. Um sich von seiner Einsamkeit abzulenken, hat er sich eine schwere Bürde auferlegt: wieder Zocht und Ordnung in seine Straße zu bringen.
Denn es kann ja nicht angehen, dass der Bürgersteig ständig zugemüllt wird (Zwei Kaugummipapiere pro Tag! Eine Katastrophe!), Fräulein Wiese von nebenan ihren Köter im öffentlichen Park ausführt, so dass man bei jeder Gelegenheit in die Hundscheiße tritt (Opa Hubert war zwar zuletzt vor 15 Jahren zusammen mit Gertrude im Park, und seinen letzten Hundehaufen hat er vor 20 Jahren gesehen, aber man weiß ja, dass dieses Viehzeugs ständig und überall die Wege zukackt!), und dann noch dieses asoziale Pack von nebenan! Schon um 14:59 dröhnt die Musik und weckt ihn aus seinem wohlverdienten Nickerchen, obwohl die Mittagsruhe bis 15:00 geht! Steht alles in der Hausordnung, Opa Hubert besitzt sie in mehrfacher Ausführung – gerahmt an der Wand und abgeheftet in den Akten. Wobei er in all seiner Akribie vergessen hat, einfach mal zu prüfen, ob seine Uhr nicht eventuell einen kleinen Tick nachgeht.
Opa Hubert geht jeden Tag auf Patrouille. Dutzende “Falschparker” hat er schon zur Anzeige gebracht, penibelst misst er den Abstand der abgestellten Vehikel zum Bürgersteig und zur nächsten Kreuzung. Ordnung muss sein! Er kennt jedes Gesetz, jedes Ordnungsblatt, sämtliche Paragraphen – und hat von seinem Wissen bereits unzählige Male Gebrauch gemacht. Bei seinen Nachbarn heißt er nur noch “Terroropa”, aber das stachelt ihn eher an, als dass es ihn zum Nachdenken bringt.
Nachdem wir unseren freundlichen, erbsenzählenden Nachbarn nun also in groben Zügen umrissen haben, stellt sich die Frage, die mir keiner unserer Post-Privacy-Apologeten zufriedenstellend beantworten konnte: was passiert, wenn solch ein “Terroropa” sich irgendwann in die Materie eingearbeitet hat, virtuos mit Facebook, Twitter und sonstigen Social Networks umgehen kann (ja, auch unsere Generation wird mal in die Jahre kommen!) und die dort veröffentlichten – und öffentlichen(!) - Daten dann nutzt, um seine Umgebung wieder auf Linie zu bringen? Der gemeine “Post-Privacy-Spacko” weiß im Zweifel nicht, dass in seinem Viertel (auf Initiative von Opa Hubert übrigens!) ab 22 Uhr Nachtruhe herrscht. Und er mag Glück haben, dass Opa Huberts Fotoapparat nachts eher mäßige Beweisfotos von der Party schräg gegenüber im Spackenloft geliefert hat. Dafür aber sind die Facebook-Updates, Bilder und Handyvideos umso deutlicher – alle mit Orts- und Zeitangabe gepostet, getaggt und einzelnen Partyteilnehmern zugeordnet. Ein Eldorado für unseren Opa. Und es gäbe sicher noch dutzende weitere Anwendungsfälle, denn der Phantasie unseres Freizeitblockwarts sind sicher keine Grenzen gesetzt.
Update: Mehr Lesestoff zum Thema.













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