Howto: Piss off the Net – “Monika Piel”-Style

Liebe ARD, was habt ihr euch denn da angelacht? Die WDR-Intendantin Monika Piel, die vor einigen Tagen auch den Vorsitz über eure Rundfunkanstalt übernommen hat, scheint ja ein ganz besonderes Schätzchen zu sein. Zunächst einmal bückt sie sich bis zum Anschlag vor der privaten Konkurrenz, indem sie die gebührenfinanzierte ARD eher als Verbündete denn als Gegenspieler der Privaten verstanden haben will und anschließend ruft sie noch zu einem gemeinsamen Kreuzzug gegen Google auf:

“Was tun Sie, um den Zeitungen zu helfen?

Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die richtige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.

[...]

Ist Google eine Bedrohung für die ARD?

Natürlich. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern für alle Qualitätsmedien.”

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Frau Piel macht die ARD mit ihrer Aussage (“Die ARD steht dafür bereit”) zu Privatarmee des Springer-Chefs – eines Menschen, der gewiss nicht unerheblich zur Kastration des öffentlich-rechtlichen Onlineangebotes durch den Rundfunkänderungsstaatsvertrag beigetragen hat.

Der Gegner, den ein Herr Döpfner dabei ins Auge gefasst hat, ist eine Firma, die – im Gegensatz zu den Propagandablättchen seines Verlags – einen regelmäßigen Gewinn abwirft. Herr Döpfner hätte gerne, dass Google zusätzlich zu den unzähligen Besuchern, die es tagtäglich auf die springerschen Onlinepublikationen schaufelt, noch ordentlich Geld an die Verlage abdrückt – was ungefähr das gleiche ist, wie eine Werbeagentur für eine erfolgreiche Kampagne zur Kasse zu bitten, anstatt die Agentur für ihre Mühen entsprechend zu entlohnen.

Und im Zusammenhang mit Springer von “Qualitätsmedien” zu sprechen, lässt tief in die anscheinend kaum noch vorhandenen Qualitätsansprüche der Frau Piel blicken.

Aber es kommt noch schlimmer:

“[...] Wenn es die Verleger schaffen, alle ihre Apps kostenpflichtig zu machen, werde ich mich in der ARD dafür einsetzen, dass auch wir Geld verlangen. [...]

Wie schnell könnten Sie ihre Apps denn überhaupt kostenpflichtig machen?

Es gibt ja schon heute kostenpflichtige Apps der ARD, beispielsweise die Loriot-App. Den Geburtsfehler des Internets – kostenlose Inhalte – zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig.”

Die Chefin einer gebührenfinanzierten Rundfunkanstalt will ihre Kunden also doppelt zur Kasse bitten – gehts noch? Erst sollen die Konsumenten mit ihren Gebühren den kastrierten Onlineauftritt finanzieren und dann will Madame für den Empfang der magersüchtigen Internetinhalte dem Gebührenzahler nochmals in die Taschen greifen?

Und eines wollen wir mal klarstellen: die freie Verfügbarkeit von Inhalten ist nicht irgendein auszumerzender Geburtsfehler, sondern die ursprüngliche Intention des Netzes. Der Geburtsfehler von Verlagen, die sich nun in der Onlinepublikation ihrer Inhalte versuchen, ist, ihr Totholzgeschäftsmodell krampfhaft auf das Internet übertragen zu wollen und zu glauben, dass diese Strategie tatsächlich funktioniert.

Frau Piel sollte sich schleunigst andere Freunde suchen. Denn der Konkurrenz dermaßen in den Allerwertesten zu kriechen, wird nicht dafür sorgen, dass die Privaten nun ihr Lobbying gegen die Öffentlich-Rechtlichen einstellen. Und die Dame sollte sich schnellstens gewahr werden, wer ihr Gehalt zahlt. Sonst verspielt sie auch noch die letzten Sympathien, die die Öffentlich-Rechtlichen online gesammelt haben und steht am Ende allein auf weiter Flur.

Besser noch: die ARD sollte sich dringend um eine(n) neue(n) Vorsitzende(n) bemühen. Bevor alles zu spät ist.

Weiterer Lesestoff zu diesem Thema:

Ein Gedanke zu “Howto: Piss off the Net – “Monika Piel”-Style

  1. Pingback: Kostenlose Angebote - Ein Geburtsfehler des Internet oder Wie gratis darf Internet denn sein. - jobbanet.eu - Der Karriereguide

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